Politik : Rums-Steak

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Armer Donald. Jetzt schießen sie aus den alten Hauptstädten des noch älteren Kontinents zurück und der Verteidigungsminister der USA sitzt hilflos in Washington. Noch haben die Auslandsspione der CIA nicht die neuesten Witze über den Pentagon-Chef von der Spree an den Potomac kabeln können. Noch kann Donald nicht zurückschlagen. Leider. Es wird ja langsam zügellos. Gerade den Berlinern scheint inzwischen nichts mehr heilig zu sein, nicht mal mehr der amerikanische Verteidigungsminister. Da wurden wir gestern Abend hinter den Linden Zeuge, wie ein Deutscher in einem französischen Lokal ein Rums-Steak bestellte, „schön blutig“ und es vor dem Verzehr genüsslich zersägte. Man konnte ihm die Arroganz der alten Welt bei jedem Biss von den Lippen ablesen. Und alle anderen Gäste sahen dem Schauspiel billigend zu – ohne einzugreifen. SPD-Fraktionsvize Michael Müller kam derweil bei seiner transatlantischen Rumsfeld-Diagnose zu dem Urteil: „Ideologogische Verklemmung“. Bisher ist in diesem Kontext das Wort Impotenz zwar noch nicht gefallen. Aber das kann die deutsch-rumsfeldische Freundschaft auch nicht mehr retten. Nehmen wir nur den Bundestagspräsidenten. Kann selbst in tiefster Provinz das Lästern nicht lassen. Am Freitagabend sprach er zu 250 schnittchenessenden Sozialdemokraten des Bezirks Berlin-Nordost. Neujahrsempfang. Das Übliche. Aber dann: „Liebe Alteuropäerinnen und Alteuropäer“, begrüßte Wolfgang Thierse genüsslich die Genossen und nahm dabei als Reaktion ein vergnügliches Grunzen und heiteres Giggeln im Saal bewusst in Kauf. Wo soll dieser Antiamerikanismus noch hinführen? Rumsfeld, warum zögern Sie?

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