Politik : Rund 200 000 Kosovo-Albaner sollen Deutschland verlassen

BONN (AP/AFP). In der Bundesrepublik gibt es nach Angaben von Bundesinnenminister Otto Schily inzwischen rund 200 000 Kosovo-Albaner, die Deutschland wieder verlassen müßten. Darunter befänden sich die 15 000 Kosovo-Flüchtlinge, die im Zusammenhang mit dem Krieg geflüchtet seien, berichtete Schily am Montag nach einer Beratung der Innenminister über den Wiederaufbau in Kosovo. Über 180 000 Kosovo-Albaner seien vorher illegal eingereist und nun "ausreisepflichtig". Die Rückführung dieser Personen könne nur in Stufen folgen.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein forderte nach der Konferenz, den zunehmenden Flüchtlingsstrom aus dem Balkan an den deutschen Grenzen zu stoppen. Gegenwärtig kämen mehr Personen aus Restjugoslawien an als während des Kosovo-Krieges, kritisierte der CSU-Politiker. Sie strömten vor allem über Italien und Österreich in die Bundesrepublik. Dabei wollten die Kosovo-Albaner vorrangig nach München, die Serben in die Hauptstadt Berlin. Schily räumte er ein, daß diese beiden Städte überfordert würden.

Wie Schily und Beckstein betonten der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens und Sachsens Innenminister Klaus Hardraht, daß die rückkehrpflichtigen Personen auch gegen ihren Willen zurückgeführt werden müßten. Hardraht gab als Vorsitzender der Innenministerkonferenz bekannt, daß sich auch die Bundesländer am Wiederaufbau des Kosovos beteiligen.

Das Bundeskriminalamt wies unterdessen auf den hohen Anteil krimineller Kosovo-Albaner in Deutschland hin. Eine Analyse von mehreren hundert Ermittlungsverfahren gegen Kosovo-Albaner habe ergeben, daß sie Banden bildeten, die in Norddeutschland besonders Diebstähle begingen und in Süddeutschland mit Rauschgift handelten, wie BKA-Sprecher Stoltenow sagte. Er sprach von einem "ernstzunehmenden Phänomen auch im Bereich der organisierten Kriminalität". Mehrere Balkan-Experten erklärten im SWR-Magazin "Report", Gewinne aus Straftaten flössen auch der Kosovo-Befreiungsarmee UCK zu.

Das Magazin zitierte eine namentlich nicht genannte Ermittlerin des Bundesaufsichtsamtes für Kreditwesen, derzufolge Albaner jährlich schätzungsweise eine Milliarde Mark aus Deutschland in das Kosovo transferieren sollen. Eine andere Expertin, die Wissenschaftlerin Marie-Janine Calic von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Ebenhausen, sagte dem Magazin: "Die UCK hat in den letzten Jahren einen Großteil ihrer Ressourcen aus dem Ausland bezogen, zum Teil durch kriminelle Geschäfte, Waffenschmuggel und Drogenschmuggel." Erich Schmidt-Eenboom vom Forschungsinstitut für Friedenspolitik in Weilheim erklärte, die UCK sei "in weiten Teilen bei der Beschaffung von Waffen finanziert worden aus dem Bereich der organisierten Kriminalität, insbesondere aus dem Heroinhandel in Mittel- und Nordeuropa".

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