Politik : Russe als Vize-Kommandeur der Friedenstruppe

PRISTINA . Russische Truppen werden in der Kosovo-Friedenstruppe KFOR einen der stellvertretenden Kommandeure stellen. Das sagte ein KFOR-Sprecher am Sonntag in Pristina. Eine 750 Mann starke russische Einheit solle als Sicherheitstruppe auf dem Flughafen der Kosovo-Hauptstadt arbeiten, dessen Betrieb gegenwärtig von russischen Experten aufgebaut wird. Bis Dienstag würden die Details der russischen Teilnahme und die Stationierungsorte der erwarteten 3600 Mann ausgearbeitet werden, sagte der Sprecher. Die 750 russischen Soldaten, die im deutschen Sektor im Kosovo stationiert werden sollen, kommen voraussichtlich in die Nähe von Malisevo im Norden des Sektors. Dies teilte Bundeswehrsprecher Dietmar Jeserich am Sonntag mit.

Das serbische Informationszentrum in Pristina ist unterdessen von Unbekannten geplündert worden. Die Eindringlinge hätten die Tür eingetreten und dann Computer, Telefone und Faxgeräte aus den zwei Büroräumen abgeschleppt, hieß es am Sonntag in der Kosovo-Hauptstadt. Das Informationszentrum war zuvor geschlossen worden, weil sich die Angestellten den Hunderten von serbischen Flüchtlingen angeschlossen haben, die Pristina seit dem Beginn der KFOR-Mission im Kosovo verlassen. Das Zentrum war von den serbischen Behörden im April 1998 als Propaganda-Instrument gegründet worden, kurz nach Beginn des gewalttätigen Konfliktes zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden Kosovo-Albanern und den serbischen Sicherheitskräften. Während der Nato-Angriffe auf Jugoslawien war das serbische Informationszentrum neben einigen Journalisten ausländischer Medien dennoch eine der wenigen (wenn auch parteiischen) Informationsquellen für die Vorgänge im Kosovo.

Die UN-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) teilte indes mit, daß die ersten UN-Polizisten am heutigen Montag in Pristina eintreffen werde. Sie sollen von Mazedonien aus einreisen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wird ebenfalls am Montag mit dem offiziellen Rückkehrprogramm für die Vertriebenen beginnen. Zuvor waren jedoch bereits rund 380 000 Albaner auf eigene Faust ins Kosovo zurückgekehrt. Somit befindet sich zwei Wochen nach dem Einrücken der internationalen Friedenstruppen ungefähr die Hälfte der im Krieg vertriebenen Albaner wieder in ihrer Heimat. Nur am Sonnabend waren etwa 40 000 Kosovo-Albaner über die Grenzen gekommen: 21 600 aus Albanien, 14 500 aus Mazedonien und etwa 3000 aus Montenegro.

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