Politik : Russen kündigen Sturm auf die Hauptstadt Grosny an

Nach den bisher schwersten Luftangriffen auf Grosny hat ein russischer Kommandeur die Erstürmung der tschetschenischen Hauptstadt angekündigt. Grosny werde mit Sicherheit eingenommen, sagte am Mittwoch der Befehlshaber der Truppen des Innenministeriums, Baskajew, dem Radiosender Echo Moskau. Um die eigenen Verluste gering zu halten, müsse der Vorstoß aber gut vorbereitet sein. Präsident Jelzin erklärte am Mittwoch, Russland wolle "ein für allemal die Zentrale des internationalen Terrorismus in Tschetschenien zerstören".

Der tschetschenische Außenminister Achmadow versuchte unterdessen, die Bedeutung des russischen Vormarsches herunterzuspielen. Die Tschetschenen würden weiter kämpfen und den Krieg gewinnen, auch wenn die Hauptstadt fallen sollte. "Militärisch gesehen ist die Situation nicht gefährlich", sagte Achmadow am Mittwoch nach einem Treffen mit Beamten des niederländischen Außenministeriums in Den Haag. "Wir führen keinen klassischen Krieg", fügte er hinzu. Der Außenminister erinnerte an den ersten Tschetschenienkrieg von 1994 bis 1996. Damals hätte es die Tschetschenen "keine große Mühe gekostet, die von 40 000 bis 50 000 Soldaten besetzte Stadt mit nur 2000 Mann zurückzuerobern", erklärte er.

Russische Kampfflugzeuge überquerten am Mittwoch die Stadt im Tiefflug und bombardierten das Zentrum, während die Verteidigungsstellungen in den Außenbezirken von Panzern und Artillerie angegriffen wurden. Dichte Rauchwolken stiegen über Grosny auf, vor allem in den östlichen Bezirken wurden Häuser getroffen. Zerstört wurde auch das Haus des Milizenführers Basajew, der die Vorstöße islamischer Nationalisten in das benachbarte Dagestan angeführt hat.

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