• Russen überraschen Nato: Kommando ungeklärt, aber Soldaten schon unterwegs Richtung Kosovo

Politik : Russen überraschen Nato: Kommando ungeklärt, aber Soldaten schon unterwegs Richtung Kosovo

BLACE/MOSKAU/BONN (Tsp). Für Verwirrung hat am ersten Tag der Umsetzung des Friedensabkommens der Aufbruch russischer Soldaten in Richtung Kosovo gesorgt. Während die Rolle Rußlands in der Nato-geführten Friedenstruppe am Freitag noch immer ungeklärt war, machten sich 200 russische Soldaten von Bosnien aus auf den Weg ins Kosovo.Der Einmarsch der Nato-Friedenstruppe verzögerte sich. Der Bundestag stimmte derweil der Entsendung von 8500 Bundeswehrsoldaten zu. Außenminister Fischer sprach vom wohl "gefährlichsten Einsatz" in der Geschichte der Bundeswehr.

Es sei aber noch unklar, ob die inzwischen in Serbien eingetroffenen Russen sich nur vor der Grenze formieren oder direkt in die Provinz einziehen wollten, hieß es am Freitag nachmittag im Brüsseler Hauptquartier. Dort war man von den russischen Truppenbewegungen am Morgen völlig überrascht worden. Im Einsatzplan der Kosovo-Schutztruppe (KFOR) haben russische Einheiten bisher keinen Platz. Prinzipiell befürwortet die Nato jedoch eine Beteiligung russischer Soldaten an dem Einsatz.

Nach ergebnislosen Gesprächen über die Integration russischer Einheiten in die KFOR in Moskau flog der stellvertretende US-Außenminister am Freitag Strobe Talbott nach Brüssel. Als bekannt wurde, daß russische Soldaten bereits in Richtung Kosovo unterwegs sind, wurde er jedoch unterwegs von Außenministerin Madeleine Albright in die russische Hauptstadt zurückbeordert. Außenminister Igor Iwanow erklärte, bislang seien keine russischen Soldaten im Kosovo eingetroffen, es würden aber Vorbereitungen getroffen.

Moskau will seine Einheiten auf keinen Fall unter Nato-Befehl stellen. US-Vizepräsident Al Gore und Albright erklärten, Moskau habe zugesagt, bis zu einer Einigung keine Soldaten zu entsenden. Wegen der unübersichtlichen Lage sagte Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark einen Presse-Termin in Brüssel ab. Diplomaten am Nato-Hauptquartier sprachen nach dem überraschenden Einmarsch russischer Fallschirmjäger in Serbien bereits von einem "Wettlauf" um Pristina. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) erklärte, ein deutsches Vorauskommando sollte noch am Freitag die Grenze überschreiten.

Der Bundestag hatte am Freitag mit großer Mehrheit die deutsche Teilnahme and er KFOR-Friedenstruppe gebillitg. Ein entsprechender Antrag der Bundesregierung wurde gegen die Stimmen der PDS beschlossen, einige Grünen-Abgeordnete enthielten sich. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte, die Mission sei der "wohl gefährlichste" Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) betonte, die Truppe habe einen "weit in die Zukunft reichenden Sinn".

Nach dem Beginn des jugoslawischen Truppenrückzugs am Donnerstag, der folgenden Aussetzung der Luftangriffe und dem Beschluß des UN-Sicherheitsrats für eine internationale Friedenstruppe war das Einrücken der ersten KFOR-Einheiten für Freitag morgen erwartet worden. Zunächst trafen sich aber erneut Offiziere der Nato und Jugoslawiens, um Truppenbewegungen abzustimmen. Bis Freitag verließen nach Nato-Angaben 4000 jugoslawische Soldaten das Kosovo. Nato-Sprecher Jamie Shea sagte in Brüssel, es gebe keine Verzögerung.

Nach Angaben der mazedonischen Grnzpolizei haben sich am Freitag nachmittag auch die ersten Nato-Truppen auf den Weg in das Kosovo gemacht. Den Angaben zufolge sollten britische Einheiten über den Grenzübergang Blace in die serbische Provinz einrücken. Zudem hätten sich französische Einheiten beim Grenzübergang Kumanovo im Norden Mazedoniens in Bewegung gesetzt, teilte die mazedonischen Polizei weiter mit.

Albright traf unterdessen in Mazedonien ein. Den Vertriebenen wolle sie sagen, daß die Nato ihr Versprechen gehalten habe und daß sie nun geordnet nach Hause gehen sollten.

US-Präsident Clinton rief indirekt zum Sturz Milosevics auf. In einer Fernsehansprache wandte er sich auch an das serbische Volk. Er erklärte, solange ein wegen Kriegsverbrechen Angeklagter ihr Land regiere, werde kein Geld zum Wiederaufbau Serbiens zur Verfügung gestellt. Er bezeichnete das Ende der Nato-Angriffe auf Jugoslawien als Sieg, der die Welt sicherer mache.

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