Politik : Russische Opposition erwartet von Berlin Kritik an Putin

Claudia von Salzen

Berlin - Die russische Opposition erwartet von der neuen Bundesregierung eine Neuausrichtung der deutschen Russlandpolitik. Der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow, einer der profiliertesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, forderte, Deutschland müsse deutlich machen, dass Putin nicht zum Club der demokratisch gewählten Staatschefs gehöre. „Russland ist nicht einmal technisch eine Demokratie“, sagte Kasparow am Mittwoch in Berlin. „Wir können nur hoffen, dass Angela Merkels Erfahrungen in Ostdeutschland sie davor bewahren, enge Beziehungen zu einem KGB-Offizier zu unterhalten.“

Kasparow kritisierte das deutsch-russische Projekt einer Gaspipeline durch die Ostsee, das in Polen und im Baltikum auf scharfen Protest gestoßen ist: „Westeuropa darf das Machtspiel nicht mitspielen, das Putin den früheren Sowjetrepubliken und ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten aufzuzwingen versucht.“ Deutschland müsse zu einem „normalen“ Verhältnis zu Russland zurückkehren, statt teure Projekte zu realisieren, die „ernste politische Folgen“ haben könnten.

Kasparow hatte im März seine Schachkarriere überraschend beendet und ist nun Chef der oppositionellen „Vereinigten Bürgerfront“. Dem 42-Jährigen werden auch Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Doch die Spielräume für Oppositionelle sind eng: „Wir kämpfen nicht dafür, die Wahlen zu gewinnen, sondern dafür, dass es überhaupt eine Wahl gibt.“ Zu seinen Plänen sagte der frühere Schachweltmeister: „Ich werde so lange weitermachen, bis die KGB-Diktatur gestürzt und die Demokratie wiederhergestellt ist.“

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