Politik : Russischer Botschafter: Wir wollen kein Land angreifen

Berlin - Russlands Botschafter in Deutschland hat den USA im Kaukasuskonflikt indirekt militärische Drohgebärden Richtung Russland vorgeworfen: Es sei eine „interessante Methode“, auf Zerstörern und anderen Kriegsschiffen Mineralwasser aus Amerika als Hilfslieferung nach Georgien zu transportieren, sagte Wladimir Kotenew am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. Jedes der Kriegsschiffe, die sich derzeit Richtung Schwarzes Meer bewegten, sei „bestückt mit über 100 Raketen, die leicht Moskau und Sankt Petersburg erreichen können“.

Sein Land fühle sich derzeit „nicht direkt bedroht, weil russische Militärs die Situation recht genau beobachten“, sagte der Botschafter. Man frage sich aber schon: „Was sollen amerikanische Raketen in Polen und US-Radar in Tschechien?“ Man habe die USA auch mehrfach vor Rüstungshilfe für „das Regime von Herrn Saakaschwili“ gewarnt, dessen Armee „schwer und sehr modern ausgerüstet werde“. Das georgische Militärbudget sei, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, das mit Ausnahme Israels größte der Welt.

Zur Anerkennung der völkerrechtlich zu Georgien gehörenden Gebiete Abchasien und Südossetien verlas Kotenew eine Erklärung des russischen Außenministeriums: Man habe angesichts des „aggressiven und chauvinistischen Kurses von Tiflis“ in „Verantwortung für die Brudervölker“ dort gehandelt. Kotenew versicherte, das Vorgehen im Kaukasus sei keine Generalprobe für andere Nachbarstaaten, die Ukraine etwa. Dort habe man „die georgische Regierung zum Frieden zwingen“ müssen, aber: „Wir planen kein Land anzugreifen“. Moskau wolle keinen Konflikt mit dem Westen, in Russland spreche auch keiner von kaltem Krieg: „Wir sind ein offenes, demokratisches Land.“ ade

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