Politik : Russisches Militär mordet in Tschetschenien

Torsten Hampel

Trotz gegenteiliger Versicherungen terrorisiert das russische Militär weiter die Zivilbevölkerung in Tschetschenien. Zwei deutsche Reporter, denen es gelungen ist, ohne Aufsicht russischer Offiziere durch die Kaukasusrepublik zu reisen, haben das in Beiträgen für die "Frankfurter Rundschau" und die "Süddeutsche Zeitung" beschrieben. "FR"-Korrespondent Florian Hassel berichtet über systematische Mordaktionen russischer Truppen. Tschetschenische Männer würden offenbar wahllos von russischen Militär-Einheiten festgenommen, blieben danach verschwunden oder würden mit Folterspuren tot aufgefunden.

Acht Tage ist Hassel mit seinem Kollegen Tomas Avenarius in Tschetschenien gewesen und hat dort zum Beispiel Zeugen einer russischen Militäraktion befragt, bei der vier Menschen getötet worden sind. Die Männer wurden am 2. März von Soldaten aus ihren Häusern geholt und zwei Tage später tot auf der Ladefläche eines Lastwagens zurückgebracht. Nach Aussagen der örtlichen Militärkommandantur seien sie Rebellen gewesen und bei Gefechten getötet worden. Ihre Leichen wiesen indes Spuren von Misshandlungen auf. Ein Vertreter der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial sagte, seit Sommer 1999 seien 2000 Männer verschwunden.

Die Bundesregierung beobachtet nach eigenen Angaben das Vorgehen des russischen Militärs "unverändert kritisch". Gerhard Schröder hat im September 2001 beim Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin zwar angekündigt, den Tschetschenien-Krieg künftig "neu zu bewerten". Diese Äußerung, so ein Regierungssprecher, bezog sich jedoch "auf Hinweise auf eine mögliche Verbindung" der tschetschenischen Rebellen zu Terrororganisationen.

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