Russland applaudiert Trump : Liebesgrüße aus Moskau

„Phänomenale Nähe“: Das Verhältnis von Donald Trump zu Russland war ein großes Thema im Wahlkampf – nun wird eine Annäherung zwischen Washington und Moskau erwartet.

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Im Baltikum ist die Angst vor eine engen Kooperation von Russland und den USA groß. Hier ein Graffiti in Litauen.
Im Baltikum ist die Angst vor eine engen Kooperation von Russland und den USA groß. Hier ein Graffiti in Litauen.Foto: Valda Kalnina/dpa

Das russische Parlament ist eigentlich kein Ort, an dem Ereignisse in den USA Beifall finden. Doch auf die Nachricht von Donald Trumps Wahlsieg reagierten die Duma-Abgeordneten mit Applaus. Als der Rest der Welt noch ungläubig auf das Wahlergebnis starrte, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin schon als einer der ersten ein Glückwunschtelegramm geschickt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass zwischen Moskau und Washington ein „konstruktiver Dialog“ beginnen könne, der die Beziehungen der beiden Länder aus der Krise führen soll.

Das Verhältnis zwischen USA und Russland ist nach Moskaus Intervention in der Ukraine und der Annexion der Krim so angespannt wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr.

Trump äußerte sich bewundernd über Putin, zog die Sanktionen gegen Russland in Zweifel und forderte eine Zusammenarbeit im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien, wo Moskau Staatschef Baschar al Assad unterstützt. Der Kreml betont bereits jetzt demonstrativ die Gemeinsamkeiten zwischen dem russischen und dem künftigen amerikanischen Präsidenten: „Es ist phänomenal, wie nah sie einander sind, wenn es um den konzeptuellen Ansatz in der Außenpolitik geht“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Das sei eine gute Basis für einen Dialog, „um damit anzufangen, den Augiasstall in unseren bilateralen Beziehungen auszumisten“, sagte Peskow. 

 Russland war im Wahlkampf immer präsent

In keinem früheren US-Wahlkampf hat das Thema Russland eine so große Rolle gespielt. Dabei ging es nicht nur um die Aussagen des Kandidaten. Sein Wahlkampfmanager Paul Manafort hatte zuvor für den damaligen ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch gearbeitet, der als prorussisch galt. Trumps außenpolitischer Berater Carter Page beriet früher den vom russischen Staat gelenkten Energiekonzern Gazprom.

Trump selbst behauptete, er habe keinerlei Verbindungen nach Russland. Im Jahr 2013 brachte er den „Miss-Universum“-Wettbewerb nach Moskau, wo er  auf ein Treffen mit Putin hoffte, das am Ende aber nicht zustande kam. Als „Mittelsmann“ zwischen Trump und Putin diente nach einem Bericht der „Washington Post“ der Oligarch Aras Agalarov.

Er war es demnach auch, der Trump eine Millionensumme für den Schönheitswettbewerb zahlte. Auch in seinen sonstigen Geschäften soll der künftige Präsident größere Investitionen aus Russland erhalten haben, wie sein Sohn sagte. Bemühungen, auch in Moskau einen „Trump Tower“ zu errichten, scheiterten dagegen.

Die Regierungen werfen sich Cyber-Krieg vor

Einmalig in der Geschichte der US-Wahlkämpfe ist zudem die Tatsache, dass US-Sicherheitsbehörden die russische Regierung für Hackerangriffe auf den Parteivorstand der Demokraten und die Veröffentlichung des Materials auf der Plattform Wikileaks verantwortlich machten. „Mit diesen Diebstählen und Enthüllungen wird beabsichtigt, den Wahlverlauf zu beeinträchtigen“, heißt es in der Erklärung.

Trump forderte Russland sogar öffentlich auf, Hillary Clintons Emails aus ihrer Zeit als Außenministerin zu veröffentlichen. Später wollte er dies als Scherz verstanden wissen. 

Doch was bedeutet nun die unter einem Präsidenten Trump zu erwartende Annäherung Washingtons an Moskau? Noch in der Wahlnacht schrieb der frühere US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, der größte Verlierer sei die Ukraine. Tatsächlich will Trump nach eigenen Angaben erwägen, die Annexion der Krim anzuerkennen und die Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

Bisher hatten die USA und die EU ihre Position im Ukraine-Konflikt stets eng abgestimmt. Allerdings sind schon jetzt nicht die USA, sondern Deutschland und Frankreich federführend in den Verhandlungen über eine Friedenslösung für die Ostukraine. Die Europäer müssen sich nun darauf einstellen, diese Rolle noch stärker wahrzunehmen als bisher.

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