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Russland : Gericht vertagt Verfahren um Pussy Riot

Heute sollte die russische Justiz entscheiden, ob die Mitglieder der Polit-Punkband Pussy Riot tatsächlich zwei Jahre ins Straflager müssen. Doch nun wurde der Prozess überraschend verschoben.

Verurteilt: Jekatarina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.
Verurteilt: Jekatarina Samuzewitsch, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa.Foto: AFP

Ein Moskauer Gericht hat das Berufungsverfahren gegen drei Frauen der Polit-Punkband Pussy Riot überraschend auf den 10. Oktober vertagt. Die Richterin gab einem Antrag einer der inhaftierten Künstlerinnen statt, ihren Anwalt auszutauschen. Ihre Position stimme nicht mit der ihrer Verteidiger überein, sagte Jekaterina Samuzewitsch (30) am Montag im Gerichtssaal. Das Gericht muss entscheiden, ob die Verurteilung der Musikerinnen zu je zwei Jahren Haft nach einer Aktion gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche rechtmäßig ist.

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte mit einer Forderung nach Milde vor einigen Wochen die Hoffnung genährt, dass Nadeschda Tolokonnikowa, Jekatarina Samuzewitsch und Maria Alechina auf Bewährung frei kommen könnten. Sie weiter in Gefangenschaft zu halten sei „unproduktiv“, sagte Medwedew. Die drei Frauen waren im August wegen einer Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau verurteilt worden. Der Fall hatte international Empörung ausgelöst.

Einen Tag vor der Anhörung in dem Berufungsverfahren forderte die Russisch-Orthodoxe Kirche die Musikerinnen am Sonntag zur Reue auf. Wenn die Frauen Einsicht bezüglich ihrer Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin zeigten, sollte das nicht unbeachtet bleiben, hieß es in einer Erklärung des Moskauer Patriarchats. Zugleich verurteilte die Kirche die Aktion abermals und betonte, dass sie nicht ungestraft bleiben dürfe.

In Berlin wurde im August ein Soli-Video für Pussy Riot gedreht:

Video
Unterstützung für russische Punk-Band
Unterstützung für russische Punk-Band

Die Forderung nach Reue hat der Verteidiger der Musikerinnen, Mark Fejgin, am Montag allerdings zurückgewiesen. Er sagte: "Falls mit Buße ein Schuldeingeständnis gemeint ist, so ist das sehr unwahrscheinlich." Die jungen Frauen hätten stets klar gemacht, dass sie ihr umstrittenes Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche als politische Performance sehen. Bei Gläubigen, die sich durch die Aktion beleidigt fühlten, hätten sich die Künstlerinnen bereits entschuldigt. Die Musikerinnen waren wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Strafler verurteilt worden.

In aller Welt protestierten im Sommer Menschen für Pussy Riot:

Weltweite Demonstrationen für "Pussy Riot"
Der Prozess um die Punkband "Pussy Riot" macht die drei jungen Frauen Yekaterina Samutsevich, Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova zu Ikonen eines weltweiten Kampfes um Meinungsfreiheit und künstlerische Freiheit. Menschen auf der ganzen Welt beteiligen sich daran.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dapd
17.08.2012 12:27Der Prozess um die Punkband "Pussy Riot" macht die drei jungen Frauen Yekaterina Samutsevich, Maria Alyokhina und Nadezhda...

Tolokonnikowa (22), Aljochina (24) - beide Mütter kleiner Kinder - und Samuzewitsch (30) sitzen seit Anfang März hinter Gittern. Bürgerrechtler kritisieren das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert. Die Inhaftierung der Bandmitglieder wurde für viele zum Symbol für die harte Hand Putins gegenüber Dissidenten. Unter anderem haben auch prominente Musiker wie Madonna und Paul McCartney die Freilassung der drei Frauen gefordert.

Die Moskauer Polizei zog am Montag rund um das Gericht ein Großaufgebot zusammen. Streifenwagen patrouillierten die Umgebung. (dapd, dpa)

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