Russland : Gewalt gegen Zivilisten in Inguschetien

Wenn an diesem Freitag beim zweitägigen Russland-EU-Gipfel der Tagesordnungspunkt "Sonstiges“ verhandelt wird, dürfte dabei auch ein Thema zur Sprache kommen, das die Gastgeber gern außen vor lassen würden

Elke Windisch

MoskauDie Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HWR) hat die Europäer aufgefordert, mit Russlands neuem Präsidenten Dmitri Medwedew auch über die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in der nordkaukasischen Teilrepublik Inguschetien zu reden. Dort würden Sicherheitskräfte bei Sonderoperationen mittlerweile ähnlich brutal gegen die Zivilbevölkerung vorgehen wie während des Tschetschenienkriegs, klagte Tatjana Lokschina, die Chefin der russischen Sektion von HWR, bei Radio „Echo Moskwy“. Neben Entführungen und Erpressungen war dabei auch von Morden und Folterungen die Rede. Konkrete Fälle dokumentiert ein Bericht, den HWR nach Gesprächen mit Betroffenen und Angehörigen von Opfern vor Ort jetzt in Moskau vorstellte.

Weil radikale Islamisten aus dem gesamten Nordkaukasus nach der Befriedung Tschetscheniens ihre Aktivitäten ins benachbarte Inguschetien verlagerten, hatte Moskau im vergangenen Sommer 2500 Elitesoldaten dorthin in Marsch gesetzt. Die Erfolge dieser Mission und der lokalen Sicherheitskräfte tendieren bisher gegen null. Murat Sjasikow, ein ehemaliger Geheimdienstgeneral, den Russlands früherer Präsident Wladimir Putin 2001 auf den Präsidentensessel in der Republik hievte, hat keinerlei Rückhalt. Die Bevölkerung drängt auf die Rückkehr von Ruslan Auschew, Sjasikows populärem Vorgänger. Sie unterstützt mehr oder minder offen die Islamisten, um Sjasikow bei seinen Paten in Moskau zu diskreditieren. Der Präsident der Teilrepublik setzt wiederum auf vom Gesetz nicht gedeckte Strafexpeditionen gegen ganz Dörfer und provoziert damit nur neuen Widerstand. Elke Windisch

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