Politik : „Russland ist ein extrem unsicherer Versorger“

Georgiens Präsident will mehr Erdgas aus Zentralasien – und empfiehlt der EU den Bau einer Pipeline

Claudia von Salzen

Berlin - Nach dem Streit mit Russland über unterbrochene Energielieferungen will Georgien nun von russischem Gas unabhängiger werden und sucht dabei auch die Hilfe Europas. Russland sei ein „extrem unsicherer und politisch voreingenommener Energieversorger“, sagte der georgische Präsident Michail Saakaschwili am Donnerstag in Berlin.

Drei Explosionen an einer russischen Gas-Pipeline hatten Georgien im Januar tagelang von der Energieversorgung abgeschnitten. Die Führung in Tiflis verdächtigt Moskau, die Gaslieferungen aus politischen Gründen unterbrochen zu haben. Daher bezieht das Land seit einigen Tagen Erdgas aus Iran. Saakaschwili verteidigte diese strategische Entscheidung und verwies darauf, das Abkommen mit Teheran sei in einer Notsituation entstanden. Zudem sei der Vertrag auf zwei Wochen begrenzt, betonte der Präsident bei einer Veranstaltung des German Marshall Fund.

Mittelfristig hofft Georgien nach den Worten Saakaschwilis zunächst auf Aserbaidschan, das dem Nachbarn in der Krise bereits mit eigenem Erdgas ausgeholfen hat. Langfristig setzt Tiflis allerdings darauf, Erdgas aus Zentralasien zu beziehen. Georgiens Präsident ist überzeugt, dass dies auch für die EU interessant ist. Gerade die Gaskrise in der Ukraine habe gezeigt, dass diesem Projekt mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse. Mit einer eigenen Pipeline könne direkt Erdgas aus Zentralasien importiert werden, so Saakaschwilis Vorschlag. Derzeit werden die zentralasiatischen Lieferungen weitgehend von Russland kontrolliert.

Georgien bezieht derzeit die Hälfte seines Erdgasbedarfs aus Iran, die andere Hälfte aus Russland. Bis zur Gaskrise war das Land, in dem 2003 die friedliche „Rosenrevolution“ stattgefunden hat, komplett auf russische Lieferungen angewiesen. Zum Jahresbeginn hatte Gasprom den Preis über Nacht verdoppelt. Nach Meinung der georgischen Führung wird die strategische Entscheidung, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen, schnell Wirkung zeigen. „Wenn es Alternativen gibt, werden solche Unfälle weniger“, sagte Saakaschwili. „In dem Moment, in dem iranisches Gas georgisches Territorium erreichte, begann das russische Gas wieder zu fließen. Ist das etwa ein Zufall?“

Beweise dafür, dass Moskau hinter den Explosionen an der Pipeline steckt, hat Georgien nicht. Von den drei Explosionen, die sich weit entfernt voneinander ereignet hatten, sei jedoch nur der letzte Abschnitt der Pipeline betroffen gewesen – der Teil, der Georgien versorgt, sagte Saakaschwili. Verdächtig kam der Führung in Tiflis auch die Art vor, in der die russische Seite mit dem Problem umging. „Geheimhaltung“ und „Täuschung“ wirft der georgische Präsident Moskau vor. Die Statements von Gasprom hätten ihn an Verlautbarungen der „Prawda“ in der Sowjetunion erinnert. Die Reparatur verzögerte sich, ein georgisches Angebot, die Leitung in fünf Stunden zu reparieren, wurde abgelehnt.

Seit der friedlichen Revolution in Georgien haben sich die Beziehungen zu Russland beständig verschlechtert. Tiflis wirft Moskau vor, die separatistischen georgischen Republiken Abchasien und Südossetien zu unterstützen. Russlands Präsident Putin hat diese Regionen mit dem Kosovo verglichen. Wer dort für Unabhängigkeit sei, dürfe sie Abchasen und Osseten nicht vorenthalten. Diesen Vergleich wies Saakaschwili scharf zurück: In diesen Regionen gebe es keine ethnischen Probleme, sondern nur einen Grenzkonflikt, sagte er. „Russland weiß nicht, wo seine Grenzen liegen.“

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