Politik : Rußland lehnt militärischen Angriff auf Irak vorerst ab

Keine Einigung mit US-Außenministerin Albright UNO-Inspekteur Butler bedauert umstrittene Äußerung MADRID/BONN (AP/Tsp).Gravierende Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Rußland kennzeichnen die Irak-Krise.Während die USA auf ein militärisches Vorgehen drängen, besteht Rußland darauf, zunächst alle diplomatischen Mittel auszuschöpfen.US-Außenministerin Albright sagte am Freitag nach einem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Primakow, die Diplomatie sei am Ende.Primakow bezeichnete die Situation als "sehr ernst".Der Leiter der UNO-Abrüstungskommission, Butler, bedauerte nach Gesprächen mit Bundesaußenminister Kinkel in Bonn seine umstrittenen Äußerungen über die Kampfkraft Iraks. Albright erklärte am Freitag, die Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Konflikts seien erschöpft."Unsere Geduld ist langsam zu Ende." Dagegen bekräftigte Primakow, daß man erst am Anfang der Verhandlungen stehe.Der russische Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin sprach sich in Davos "entschieden gegen den Einsatz von Gewalt" aus.Als "Grauzone" zwischen zwei Extremen kennzeichnete gegenüber dem Tagesspiegel der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundesagsfraktion, Karl Lamers, die gegenwärtige Politik der USA in der Irak-Krise.Es sei nicht unterscheidbar, ob es sich um "Bluff" oder um "die konkrete Vorbereitung eines militärischen Eingreifens" handele.Zu hoffen sei, daß der dabei erzeugte Druck denen zugute kommt, die, "wie Frankreich und Rußland", auf eine diplomatische Lösung drängten.Die USA haben im Konflikt-Gebiet 14 Schiffe mit 325 Kampfflugzeugen sowie 24 000 Soldaten zusammengezogen. Der französische Außenminister Védrine hatte nach seinem Treffen mit Albright in Paris erklärt, alle Optionen seien offen, Paris schließe einen Luftangriff gegen Irak jedoch nicht mehr aus.Bisher hatten sich Frankreich, Rußland und China gegen einen militärischen Angriff ausgesprochen.Die Türkei wird eine Militäraktion der USA gegen Irak nicht unterstützen, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Ecevit mit. Kinkel forderte Irak nach seinem Treffen mit Butler auf, den UNO-Inspektoren Zugang zu den Palästen Saddam Husseins zu ermöglichen.Er forderte eine diplomatische Lösung, schloß jedoch einen Militärschlag nicht aus.Butler nannte seine von Rußland und Frankreich kritisierte Äußerung, Irak könne eine Stadt in der Größe von Tel Aviv mit biologischen Waffen vernichten, "einen kleinen Unfall".Er habe keine Kenntnisse über derlei Absichten Iraks.

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben