Russland : Mutmaßlicher Litwinenko-Mörder ins Parlament?

Der Hauptverdächtige im Mordfall Litwinenko, der frühere russische Geheimdienstmitarbeiter Andrej Lugowoi, hat beste Aussichten auf ein Abgeordnetenmandat in der neuen Staatsduma.

Andrej Lugowoi
Andrej Lugowoi. -Foto: dpa

MoskauDer Nationalist Wladimir Schirinowski bot dem von Großbritannien als Mörder gesuchten Lugowoi den Listenplatz Nummer zwei seiner Liberaldemokratischen Partei (LDPR) für die Wahl im Dezember an. Das bestätigte Schirinowski nach Angaben der Agentur Interfax. Die britische Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Lugowoi Ende 2006 den Kremlkritiker Alexander Litwinenko mit dem radioaktiven Gift Polonium ermordete. Lugowoi bestreitet dies.

Schirinowski bezeichnete Lugowois Verwicklung in den Fall Litwinenko als gezielte Kampagne des westlichen Auslands. "Diese ganze Geschichte mit Großbritannien ist ein Versuch, Provokationen gegen unsere Bürger zu verüben", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma. Eine Parteiversammlung der LDPR soll Lugowois Kandidatur am Montag bestätigen. Lugowoi sagte dem Radiosender "Echo Moskwy", er wolle sich erst nach der Entscheidung der LDPR zu seinen politischen Ambitionen äußern. Der Sprung der Schirinowski-Partei über die Sieben-Prozent-Hürde gilt bei der Wahl am 2. Dezember als sicher. Als Duma-Abgeordneter genösse Lugowoi Schutz vor Strafverfolgung.

Der russische Ex-Geheimdienstler und britische Staatsbürger Alexander Litwinenko war im vergangenen November an einer Vergiftung mit radioaktiven Polonium 210 in London gestorben. Die britische Staatsanwaltschaft sieht Lugowoi als den Mörder Litwinenkos und hatte im Mai seien Auslieferung gefordert. Lugowoi hatte darauf in Moskau jegliche Schuld am Tod seines Bekannten von sich gewiesen. Die russische Justiz erklärte, für ein Strafverfahren gegen Lugowoi fehlten ihr bislang die Beweise. (mit dpa)

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