Politik : Russland: Neue Freunde in Baku

Elke Windisch

Trotz des Altersunterschiedes von rund 30 Jahren fanden Wladimir Putin und sein Gastgeber Haydar Alijew beim ersten Besuch eines russischen Präsidenten in der Kaukasus-Republik Aserbaidschan schnell eine gemeinsame Sprache: Schließlich dienten beide dem KGB jahrelang als Kundschafter an der unsichtbaren Front.

Statt Entfremdung und offener Konfrontation sollen künftig Freundschaft und sogar "strategische Partnerschaft" das Verhältnis beider Ex-Sowjetrepubliken bestimmen. So steht es im Langzeitprogramm der Zusammenarbeit, dem wichtigsten von insgesamt sieben neuen Abkommen. Darin findet sich auch eine Vereinbarung zur gemeinsamen Erschließung von zwei Öllagerstätten im Kaspischen Schelf.

Der Grundsatz einer gemeinsamen Nutzung dürfte auch bei der Teilung des Kaspischen Meeres zur Anwendung kommen. Über das Kaspische Meer streiten die fünf Anrainerstaaten des weltweit größten Binnengewässers seit dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 bis aufs Messer. Die Wasserfläche soll nun allen gehören, der Meeresboden mit den weltweit größten Öl- und Gasreserven dagegen in nationale Sektoren aufgeteilt werden. Details soll ein Kaspi-Gipfel regeln, der möglicherweise schon Anfang Februar in Turkmenien stattfindet.

Werden dort die Abmachungen von Baku bestätigt, ist Russland aus wirtschaftlicher Sicht eindeutig der Verlierer und riskiert zudem eine empfindliche Abkühlung im bisher herzlichen Verhältnis zum islamischen Iran und zum christlichen Armenien: Teheran besteht auf gemeinsame Nutzung der Kaspi-Ressourcen durch alle Anrainer. Diese Position teilte auch der ehemalige russische Präsident Jelzin, der lange an einer Achse mit Teheran und Armenien werkelte. Armenien, Moskaus einziger treuer Verbündeter in der Region, befindet sich mit Aserbaidschan seit 1988 faktisch im Kriegszustand.

Putin indes will erklärtermaßen die Position Moskau im gesamten post-sowjetischen Raum stärken und setzt dabei auf Aserbaidschan. Zwangsläufig: Moskau kann den weiteren Vormarsch der USA und der Türkei Richtung Kaukasus und Zentralasien nur stoppen, wenn es das pro-türkische Aserbaidschan als Verbündeten gewinnt. Indirekt hängt davon auch das Ende des Tschetschenien-Krieges ab: Durch Aserbaidschan rollt der Nachschub für die tschetschenischen Kämpfer.

Der Schulterschluss zwischen Moskau und Baku könnte daher das Kräfteverhältnis im gesamten Kaukasus nachhaltig verändern. Doch noch ist, wie die "Iswestija" zu Recht warnt, die Kuh nicht ganz vom Eis. Durch bewusste Unschärfen der Formulierungen sind die meisten Dokumente bloße Absichtserklärungen. Beim West-Transport des Kaspi-Öls gar beharrt jeder auf seiner Variante: Baku auf eine Pipeline zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan, Moskau auf seinen Schwarzmeerhafen Noworossijsk.

Auch das Moskauer Angebot, als Garantiemacht für den Karabach-Konflikt aufzutreten, ist mit Vorsicht zu genießen: Russland ist als Vermittler bei den zahlreichen ethnischen Konflikten der GUS bisher stets gescheitert.

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