Russland : Politkowskaja-Mörder angeblich festgenommen

Fünf Jahre nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja ist der Hauptverdächtige offenbar in Tschetschenien gefasst worden.

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Der Tatort. Ein Korb mit Blumen hängt am 8. Oktober 2006 am Treppengeländer des Wohnhauses der russischen Journalistin Anna Politowskaja in Moskau.
Der Tatort. Ein Korb mit Blumen hängt am 8. Oktober 2006 am Treppengeländer des Wohnhauses der russischen Journalistin Anna...Foto: dpa

Moskau - Der Sprecher der Ermittlungsbehörde bei der russischen Generalstaatsanwaltschaft gab die frohe Botschaft persönlich an die Medien weiter: Rustam Machmudow sei festgenommen und bereits nach Moskau überstellt worden, sagte Wladimir Markin. Denn der Tschetschene Machmudow, der am Dienstag mit Hilfe von Fahndern aus Belgien, wo er zeitweilig untergetaucht war, in seiner Heimatrepublik im Nordkaukasus gefasst wurde, ist der mutmaßliche Mörder der Journalistin Anna Politkowskaja, die für die kritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ gearbeitet hatte. Sie war im Oktober 2006 im Eingang zu ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Mit kritischer Distanz zum Kreml und unfreundlicher Berichterstattung zu Russlands Krieg in Tschetschenien war sie international berühmt geworden, hatte sich aber im eigenen Land unbeliebt gemacht.

Der Mord indes, so Wladimir Putin, damals Präsident, habe Russland mehr geschadet, als alles, was Politkowskaja zuvor geschrieben hat. Bürgerrechtler und westliche Regierungschefs forderten schnelle und rückhaltlose Aufklärung. Keiner der Journalistenmorde in Russland ist bisher aufgeklärt. Sergej Sokolow, stellvertretenden Chefredakteur der Nowaja Gaseta, begrüßte die Festnahme Machmudows. Er hoffe, sie werde die Suche nach den Auftraggebern und Mithelfern erleichtern, sagte er.

Die regierungskritische russische Journalistin Anna Politkowskaja. Sie wurde 2006 in Moskau ermordet.
Die regierungskritische russische Journalistin Anna Politkowskaja. Sie wurde 2006 in Moskau ermordet.Foto: dpa

In keiner anderen prominenten Mordsache passierten derartig viel Pannen und Pleiten. Unter Erfolgszwang stehend, meldete Generalstaatsanwalt Juri Tschaika zwar bereits im August 2007, zehn Tatverdächtige seien gefasst. Fünf mussten indes wenige Tage später frei gelassen werden. Den Rest sprachen die Geschworenen aus Mangel an Beweisen im März 2009 frei. Zwar kassierte das Oberste Gericht das Urteil drei Monate später wegen Verfahrensfehlern und gab den Fall an die Staatsanwaltschaft zwecks neuer Ermittlung zurück. Die rollte im August 2009 den Fall neu auf und fahndete vor allem nach dem mutmaßlichen Todesschützen Machmudow. Von seinen Aussagen erhoffen sich die Fahnder Erkenntnisse zu den Hintermännern – und das könnte für Politiker in Moskau wie in Tschetschenien peinlich werden.

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