Russland : Putin-Vertrauter in Geldwäscheskandal verwickelt

Zum Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Wien hat eine Moskauer Zeitschrift über einen angeblichen Geldwäscheskandal um enge Putin-Vertraute und österreichische Banken berichtet.

Moskau - Mehrere Milliarden Dollar seien über Jahre aus Energiegeschäften abgezweigt und über Tarnfirmen nach Österreich transferiert worden, schrieb die regierungskritische Moskauer Wochenzeitschrift "New Times" unter Berufung auf einen internen Bericht des russischen Innenministeriums. Auch die österreichische Polizei ermittle wegen Geldwäsche.

Die Transfergeschäfte seien vor sechs Jahren begonnen worden. An manchen Tagen seien Dutzende Millionen Dollar von Russland nach Österreich überwiesen worden, zitierte die Zeitschrift aus dem Bericht. Nach den Angaben sollen praktisch alle großen Überweisungen über die Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) abgewickelt worden sein, weil über das Geldhaus auch ein Großteil der Finanzierung für die Ostsee-Gaspipeline laufe. Ein Raiffeisen-Sprecher in Wien bezeichnete eine Beteiligung der Bank an Geldwäsche als "absurd" und dementierte eine Verbindung zur Ostsee-Pipeline, wie die Agentur Interfax meldete.

Verwicklungen bis zum Kreml

Auf russischer Seite sollen zwei Vizechefs der Präsidialverwaltung, Igor Setschin und Viktor Iwanow, beteiligt gewesen sein. Setschin zieht als Aufsichtsratsvorsitzender beim größten russischen Ölkonzern Rosneft die Fäden. Der Geheimdienstmann Iwanow fungiert als Personalchef des Kremls. Beide gelten als enge Vertraute Putins. Die russische Präsidialverwaltung wollte auf Anfrage zu dem Bericht keine Stellung nehmen.

Mitte 2006 soll der damalige Vizechef der russischen Zentralbank, Andrej Koslow, von den Machenschaften erfahren haben. Auf Betreiben Koslows sei am 8. September Anzeige erstattet worden. Wenige Tage später wurde Koslow von Auftragsmördern erschossen.

Die russische Justiz hatte am Dienstag im Fall Koslow ihre Ermittlungen gegen den in Untersuchungshaft sitzenden Bankier Alexej Frenkel abgeschlossen. Frenkel sei dringend tatverdächtig, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, um sich für eine von Koslow veranlasste Bankenschließung zu rächen. Diese Version war in der russischen Öffentlichkeit wiederholt angezweifelt worden. (tso/dpa)

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