Politik : Rußland verärgert über Nato-Blockade

PRISTINA/MADRID/MOSKAU . Die Spannungen zwischen Rußland und der Nato haben sich am Wochenende angesichts des russischen Kosovo-Engagements verschärft. Moskau konnte am Sonntag das Truppenkontingent im Kosovo nicht verstärken, weil die Nato den Luftkorridor über Ungarn, Bulgarien und Rumänien blockiert. Das russische Verteidigungsministerium reagierte konsterniert. Im Kosovo häufen sich unterdessen die blutigen Zusammenstöße zwischen den Volksgruppen. Sechs Serben in der Ortschaft Istok, die spanische KFOR-Soldaten und das UN-Flüchtlingshilfwerk UNHCR um Schutz gebeten hatten, wurden wenig später ermordet aufgefunden. Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) hat einen internationalen Kulturbeauftragten für den Balkan gefordert.

Zwei russische Militärtransporter sollten am Sonntag rund 100 Fallschirmjäger ins Kosovo bringen. Zuvor hatten Nato-Vertreter erklärt, sie würden den Luftraum sperren, bis Meinungsverschiedenheiten über den russischen Einsatz im Kosovo beigelegt worden seien. Das russische Verteidigungsministerium reagierte überrascht. Alle Einzelheiten über die Stationierung seien bei den Verhandlungen in Helsinki festgelegt worden, sagte ein Vertreter des Ministeriums der Nachrichtenagentur Interfax. Die Überflugverweigerung sei eine Provokation, die von den USA ausgehe. Die Nato bestätigte unterdessen die Entsendung einer Delegation nach Moskau, die dort über die Rolle Rußlands in der Kosovo-Friedenstruppe KFOR beraten soll. Eine militärische Abordnung habe das Nato-Hauptquartier am Sonntag morgen verlassen, um in Rußland weitere Details zur Verlegung der KFOR zu klären, erklärte die Nato am Sonntag. Vier Schiffe verließen derweil den Schwarzmeerhafen Sewastopol, um mehrere hundert Soldaten aufzunehmen und nach Griechenland zu bringen. Von dort aus sollten sie den Landweg ins Kosovo nehmen.

Aus Nato-Kreisen verlautete zur Erklärung für das Hickhack um die russischen KFOR-Soldaten, Rußland wolle den Nato-Oberbefehl über die russischen Truppen abschwächen.

Am Sonntag herrschte noch immer Unklarheit, ob die britischen Soldaten, die in der Nacht zum Sonnabend zwei Kosovo-Albaner in Pristina erschossen hatten, in Notwehr handelten oder nicht. Nach britischen Angaben handelte es sich bei den Toten um UCK-Mitglieder. Die Untergrundarmee kritisierte nach dem Zwischenfall erstmals die KFOR-Truppen. Wie das staatliche albanische Fernsehen berichtete, bezeichnete ein UCK-Kommandeur die Tötung der beiden Albaner als "willkürlich und unverantwortlich".

Der serbische Oppositionsführer Zoran Djindjic kehrt trotz strafrechtlicher Ermittlungen gegen ihn nach Belgrad zurück. Er sollte am Abend in der jugoslawischen Hauptstadt ankommen, wie die von ihm geführte Demokratische Partei am Sonntag mitteilte.

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