Politik : Rußland verlegt Kriegsschiffe zur Aufklärung ins Mittelmeer

ELKE WINDISCH

MOSKAU .Slobodan Milosevic habe am Dienstag Gesprächsbereitschaft signalisiert, die bei gutem Willen hätte verstanden werden können.In Bonn habe man dann aber erfahren müssen, daß die NATO eine geschlossene Linie fährt.So kommentierte Jewgeni Primakow am Mittwoch bei seiner Rückkehr nach Moskau das Scheitern seiner Mission.Rußland, so Primakow, werde dennoch seine Bemühungen zur Beendigung der Luftangriffe gegen Jugoslawien fortsetzen, die der Regierungschef eine "zutiefst tragische und falsche Entscheidung" nannte.Nach dem Scheitern der russischen Vermittlungsbemühungen in der Kosovo-Krise verlegt Moskau sieben Kriegsschiffe der Schwarzmeerflotte ins Mittelmeer.

Außenminister Igor Iwanow, der zusammen mit Verteidigungsminister Igor Sergejew am Mittwoch abend in Moskau die Presse über die Ergebnisse der Primakow-Visite in Belgrad und Bonn informierte, kündigte an, Rußland werde sich in der Nacht telefonisch mit den Staaten der Kontaktgruppe in Verbindung setzen.Dabei sollten weitere Möglichkeiten zur Beendigung der Angriffe gegen Jugoslawien sondiert werden.Rußland, so Iwanow weiter, lägen Informationen vor, wonach in Washington an Varianten gearbeitet werde, die eine Lostrennung des Kosovo von Jugoslawien zum Ziel haben oder die Teilung des Gebietes.Dazu sollen zunächst die Verbände der Armee zur Befreiung Kosovos aktiviert werden.Danach würde die NATO zu Operationen der Landstreitkräfte in Jugoslawien übergehen.

Gleichzeitig kündigte Rußland Manöver der Nordmeerflotte im europäischen Nordmeer an, die als planmäßig bezeichnet wurden.Dabei handelt es sich um die mit Abstand größte Übung der russischen Kriegsmarine seit dem Zerfall der Union.An dem Manöver nehmen Flugzeugträger, Kampfschiffe, mehrere Verbände von U-Booten sowie Marineinfanterie teil, die das koordinierte Zusammenwirken gegen einen potentiellen Gegner trainieren sollen.

Zudem wird Moskau am Donnerstag sieben Kampfschiffe der Schwarzmeerflotte zu einer Aufklärungsmission ins Mittelmeer verlegen.Die Türkei wurde darüber bereits am Mittwoch mittag informiert.In Friedenszeiten muß die Durchfahrt ausländischer Kriegsschiffe durch Bosporus und Dardanellen lediglich vorab gemeldet werden.Die Einholung einer Genehmigung bei der Regierung in Ankara sehen die 1936 geschlossenen Abkommen von Montreux, die die freie Schiffahrt in den Meerengen zwischen Schwarzem und Mittelmeer regeln, nicht vor.Wie aus dem Oberkommando der russischen Seekriegsflotte bekannt wurde, brauchen die Schiffe vier Tage, um die Adria zu erreichen.

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