Politik : Russland will Gefangene freilassen

Moskau - Im Zuge einer groß angelegten Amnestie will Kremlchef Wladimir Putin tausende Gefangene in Russland freilassen, darunter wohl auch einige seiner Kritiker. Die Staatsduma nahm am Dienstag in erster Lesung ein entsprechendes Dekret des Präsidenten einstimmig an. Die endgültige Annahme an diesem Mittwoch gilt als Formsache.

Auch die zu zwei Jahren Straflager verurteilten Putin-Gegnerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (24) und Maria Aljochina (25) von der Band Pussy Riot könnten nun bald auf freien Fuß kommen. In dem Dekret sind ausdrücklich Mütter mit minderjährigen Kindern erwähnt. Die Haft der beiden Aktivistinnen wegen Rowdytums würde Anfang März enden. Die Behörden haben sechs Monate Zeit für die Umsetzung der Amnestie.

Die Pussy-Riot-Unterstützer von der russischen Künstlergruppe Wojna teilten über Twitter mit, die Freilassung solle bereits am Donnerstag erfolgen. Putins Dekret tritt allerdings erst mit Veröffentlichung in einer amtlichen Zeitung in Kraft.

Die Strafvollzugsbehörden äußerten sich auf Anfrage nicht zum Zeitpunkt der Freilassung. Beobachter halten es für möglich, dass sich der Präsident am Donnerstag während einer mehrstündigen Pressekonferenz dazu äußern wird.

Auch die wegen Rowdytums angeklagten Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace können mit Einstellung ihrer Verfahren rechnen. Die 30 Männer und Frauen hatten in der Arktis an einer russischen Ölplattform gegen Umweltzerstörung protestiert. An dem Vorgehen Russlands gegen Greenpeace gab es international Kritik.

„Die Amnestie soll sowohl Menschen betreffen, die bereits als Verurteilte in Haft sitzen, als auch diejenigen, die noch vor Gericht und unter Ermittlungen stehen“, sagte der Abgeordnete Pawel Krascheninnikow. Während Medien zuletzt von mehr als 20 000 Betroffenen berichtet hatten, sprach der Politiker von etwa 10 000 Menschen, die Strafnachlass erhalten sollen. Offizieller Anlass für den Gnadenakt Putins ist der 20. Jahrestag der russischen Verfassung, der am 12. Dezember begangen worden war. dpa

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