Russland : Wladimir Putin lässt Kampfbereitschaft des Militärs prüfen

Russlands Präsident Wladimir Putin lässt die Gefechtsbereitschaft von Streitkräften prüfen. Tausende russische Soldaten rücken zu Übungen aus. Und auch die Nato demonstriert in den östlichen Mitgliedsstaaten Stärke.

Erster öffentlicher Auftritt seit zehn Tagen: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Erster öffentlicher Auftritt seit zehn Tagen: Russlands Präsident Wladimir Putin.Foto: Anatoly Maltsev/AFP

Kremlchef Wladimir Putin hat eine Überprüfung der Gefechtsbereitschaft von Streitkräften im westlichen Wehrbezirk sowie bei der Nordflotte und den Luftlandetruppen angeordnet. Insgesamt seien 38 000 Soldaten, mehr als 40 Schiffe, etwa 15 U-Boote und 110 Flugzeuge betroffen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. Die Anweisung des Oberbefehlshabers Putin sei um 8 Uhr Moskauer Zeit (6 Uhr MEZ) in Kraft getreten. Bei Manövern mit verschiedenen Übungsaufgaben werde bis zum 21. März die Kampfbereitschaft überprüft.
Eine der Hauptaufgaben der Nordflotte sei Russlands militärischer Schutz in der Arktis, sagte Schoigu. An der russischen Nordgrenze gebe es „neue Herausforderungen und Bedrohungen“. Russland hatte mehrfach einen Ausbau seiner militärischen Präsenz in der Arktis angekündigt. Dort werden riesige Rohstoffreserven vermutet. Russland erhebt Anspruch auf einen großen Teil dieser Ressourcen. Heimathafen der Nordflotte ist Seweromorsk nahe der Grenze zu Norwegen. Hauptquartier des westlichen Wehrbezirks ist St. Petersburg.


Die Nato hatte Russland zuletzt vorgeworfen, den Westen mit grenznahen Manövern zu provozieren. Russlands Vize-Außenminister Alexej Meschkow kritisierte jedoch die jüngsten Nato-Aktivitäten im Baltikum. „Solche Handlungen destabilisieren die Lage“, sagte er.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau begannen auch in der südrussischen Region Stawropol sowie im Fernen Osten des Landes Einheiten mit Schießübungen. Am russischen Stützpunkt Kant in Kirgistan hoben Jagdflugzeuge vom Typ Suchoi Su-25 und mehrere Hubschrauber zur Prüfung der Kampfbereitschaft ab. Zudem nehme im Kaspischen Meer ein russisches Kriegsschiff an Schießübungen teil.
Die US-Armee plant eine Konvoi-Fahrt von Radschützenpanzern durch die östlichen Nato-Mitgliedsstaaten. Die Fahrt über knapp 1800 Kilometer werde Teil der Nato-Übung „Atlantic Resolve“ (Atlantische Entschlossenheit) sein, sagte ein Sprecher der US-Armee in Wiesbaden am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Nach Übungen in Polen, Estland und Litauen würden die Militäreinheiten auf der Straße an ihren Heimatstandort im oberpfälzischen Vilseck zurückkehren. Die US-Armee spricht von einem „road march“ (Straßenmarsch).Die Größe des Konvois ist noch nicht bekannt. Der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnicky sprach im Rundfunk von rund 500 Mann Besatzung und 100 Fahrzeugen.

Putin zeigt sich wieder in der Öffentlichkeit

Unterdessen hat sich am Montag nach zehn Tagen ohne öffentlichen Auftritt und wilden Spekulationen auch Präsident Putin wieder persönlich vor Journalisten gezeigt. Etwas blass wirkend schüttelte er im Konstantinpalast bei St. Petersburg dem kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew die Hand, bevor sich beide zu einem Gespräch zurückzogen, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Putin hatte sich zuletzt am 5. März mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi vor Kameras gezeigt. Da der 62 Jahre alte Kreml-Chef sonst allgegenwärtig scheint, waren schnell Gerüchte ins Kraut geschossen - von einer Erkrankung über die Geburt eines Kindes einer Geliebten bis zu einem Staatsstreich. "Es wäre langweilig, wenn es keinen Tratsch gäbe", sagte Putin am Montag.

Nach seinem Treffen mit Renzi in der ersten Märzwoche hatte Putin eine Kasachstan-Reise und andere Termine abgesagt - darunter ein Treffen mit dem
Inlandsgeheimdienst FSB. Es gebe "keinen Grund zur Sorge", hatte Putin-Sprecher Dmitir Peskow am vergangenen Donnerstag zu den Gerüchten gesagt.

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