Russland : Wohl keine vorzeitige Haftentlassung für Chodorkowski

Morgen will ein Gericht in Sibirien darüber entscheiden, ob der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski vorzeitig freikommt. Seine Angehörigen sind jedoch skeptisch, zumal ein weiteres Verfahren gegen den Ex-Milliardär anhängig ist.

Chodorkowski
Michail Chodorkowski. -Foto: dpa

MoskauEin Gericht im sibirischen Tschita berät seit heute über eine vorzeitige Haftentlassung des früheren russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski. Nach Angaben seines Anwalts Juri Schmidt wurde die Anhörung kurz nach Beginn auf Freitag vertagt. Er rechnet damit, dass dann auch eine Entscheidung fallen werde, so Schmidt.

Nach russischem Recht können Häftlinge wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen werden, wenn sie mehr als die Hälfte ihrer Strafe abgesessen haben. Doch die Äußerungen des Richters zu Beginn der Anhörung ließen wenig Hoffnung. Laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti wies der Richter auf eine Empfehlung der Gefängnisverwaltung hin, den prominenten Häftling seine Strafe vollständig verbüßen zu lassen. Demnach fällt Chodorkowskis persönliche Beurteilung zwar positiv aus, insgesamt aber wird seine Entwicklung negativ gesehen, da er sich nach wie vor weigert, seine Schuld anzuerkennen. Chodorkowskis Angehörige hatten sich schon im Vorfeld skeptisch über eine vorzeitige Freilassung geäußert.

Wenig Aussichten auf Freilassung

Chodorkowski war im Jahr 2003 wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Sein Yukos-Konzern wurde nach einem Streit um Steuerzahlungen 2005 faktisch zerschlagen und 2006 einem Konkursverwalter unterstellt. Beobachter vermuten hinter Chodorkowskis Verurteilung politische Beweggründe.

Selbst wenn das Gericht in Tschita einer vorzeitigen Haftentlassung zustimmen würde, bleibt der Ex-Milliardär nach Einschätzung seines Anwalts Wadim Kluwgant wegen eines weiteren schwebenden Verfahrens gegen ihn aller Wahrscheinlichkeit nach weiter in Haft. Im Februar 2007 wurde er der "Unterschlagung im großen Stil" beschuldigt, im Juni eröffnete die russische Justiz ein neues Verfahren wegen Unterschlagung von umgerechnet 18 Milliarden Euro und "Diebstahls" von 350 Millionen Tonnen Erdöl gegen ihn. (jvo/AFP)

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