Politik : Russlands Kommunisten sind gespalten

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Moskau In der gespaltenen Kommunistischen Partei Russlands KPRF haben Anhänger und Gegner des Vorsitzenden Gennadi Sjuganow am Samstag in Moskau getrennte Parteitage abgehalten. Der seit 1992 amtierende Parteichef gestand selbstkritisch ein, er habe der Spaltung nicht rechtzeitig entgegengewirkt. Beim Treffen der Anhänger Sjuganows in einem Konzertsaal fiel das Licht aus, so dass er seinen Rechenschaftsbericht bei Kerzenlicht verlesen musste.

Sjuganow hat seit dem Zerfall der Sowjetunion bei drei Präsidentenwahlen gegen Boris Jelzin und dessen Nachfolger Wladimir Putin verloren, zwang Jelzin aber immerhin 1996 in eine Stichwahl. Vor allem unter Putin wurden die Kommunisten immer mehr an den Rand gedrängt und erhielten bei der Duma-Wahl im Dezember 2003 nur noch 12 Prozent der Stimmen.

Die innerparteiliche Opposition wirft Sjuganow vor, zu nachgiebig gegenüber dem Kreml zu sein. Die Gegner erklärten sich am Samstag zu den einzig rechtmäßigen Vertretern der KP. Sie hatten am Donnerstag den Gouverneur des Gebietes Iwanowo, Wladimir Tichonow, zum neuen Parteichef gewählt. Putin kann derweil in Ruhe beobachten, wie die ohnehin schon kärgliche Opposition in immer kleinere Bestandteile zerfällt.

Außerdem fand am Samstag in Moskau ein Parteitag der liberalen Partei Jabloko mit ihrem Vorsitzenden Grigori Jawlinski statt, die den Sprung in das Parlament nicht mehr geschafft hatte. Daneben tagte auch die linksnationalistische Partei Rodina (Heimat), eine Gründung des Kremls, die den Kommunisten bei der Duma-Wahl Stimmen abjagte. dpa/Tsp

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