Russlands Vakuumbombe : Tödlicher Feuersturm

Russland testet erfolgreich eine Vakuumbombe. Präsident Putin möchte mit der neuen Waffe den Terrorismus bekämpfen - und den Westen das Fürchten lehren.

Elke Windisch

MoskauZuschauer des russischen staatsnahen „Ersten Kanals“ glaubten sich zunächst in einem Science-Fiction-Thriller: Ein strategischer Bomber des Typs TU-160 wirft eine Bombe an einem Fallschirm ab. Die Wucht der folgenden Explosion ist gewöhnungsbedürftig. Ebenso die Bilder von zerstörten Gebäuden und verbrannter Erde, die an eine Mondlandschaft erinnern.

Die Aufnahmen stammen von einem Versuchsgelände, wo die russische Luftwaffe am späten Dienstagabend erfolgreich eine neue Waffe testete – eine sogenannte Vakuumbombe. Ihre Wirkung sei in etwa die gleiche wie bei einer Atombombe, sagte Vizestabschef Alexander Rukschin. Im Gegensatz zu einer Atombombe verursache eine Vakuumbombe jedoch keine radioaktive Verseuchung oder chemische Umweltverschmutzungen. Auch sei die Herstellung erheblich billiger, erklärte Rukschin weiter.

Bei der Vakuumbombe wird ein Brennstoff-Luft-Gemisch entzündet, das eine immense Druckwelle und extrem hohe Temperaturen erzeugt. Gleichzeitig entsteht dort ein starker Unterdruck. Vakuum und Hitze sorgen dafür, dass „alles was lebt, einfach verdunstet“, zitierte der „Erste Kanal“ einen Wissenschaftler des militärischen Forschungsinstituts, das die Bombe entwickelt hat.

Ihr Wirkungsgrad, so Vizestabschef Rukschin, übertreffe analoge Waffen bei allen Vergleichspunkten, teilweise um das 20-fache. Bisher verfügte die US-Luftwaffe über die größte Vakuumbombe. Dass Moskau jetzt auch auf diesem Gebiet um Längen an Washington vorbeizieht, ist Teil von Putins offensiver Außen- und Sicherheitspolitik, die den Westen zwingen soll, mit dem Kreml auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln – so wie zu Sowjetzeiten.

Putin hatte bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik ungewöhnlich scharf kritisiert. Anschließend kündigte Nikolaj Solowzow, der Oberkommandierende der strategischen Raketentruppen, „asymmetrische Maßnahmen“ an, sollte Washington Teile seines Raketenabwehr in Osteuropa stationieren. Generalstabschef Juri Balujewski drohte mit dem Ausstieg aus dem INF-Vertrag, mit dem die Sowjetunion und die USA 1987 ein Produktionsverbot für alle Raketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5000 Kilometern vereinbart hatten. Auch sei die russische Industrie in der Lage, „innerhalb kürzester Frist neue Waffen zu entwickeln, die jede Luftabwehr überwinden“.

Dazu soll vor allem die Einführung der interkontinentalen Topol-M-Raketen beschleunigt werden. Diese Raketen gelten als unerreichbar für die gegnerische Luftabwehr und können angeblich beliebige Ziele an einem beliebigen Punkt der Erde vernichten.

Im Sommer begann Moskau zudem mit Patrouillenflügen von Langstreckenbombern. Großbritannien beschwerte sich bereits mehrfach über die Verletzung seines Luftraumes, was Moskau stets dementierte. Im Juli kündigte Putin auch ein Moratorium für den KSE-Vertrag an, der Obergrenzen für die konventionellen Streitkräfte in Europa festlegt, sollte die Nato nicht binnen sechs Monaten die 1999 beschlossenen Vertragsnachbesserungen ratifizieren.

Russland trete mit der Vakuumbombe kein neues Wettrüsten los, sagte Vizestabschef Rukschin. Die neue Bombe, formulierte er etwas unbeholfen, mache es jedoch möglich, „die Sicherheit des Staates zu realisieren“ und den internationalen Terrorismus „unter beliebigen Bedingungen in jeder Region der Welt“ zu bekämpfen.

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