Politik : Ruud Lubbers: Überraschend hat er doch wieder einen Job in der Weltpolitik

Thomas Roser

Sechs Jahre lang war der niederländische Ex-Premier Ruud Lubbers in der politischen Versenkung entschwunden. Nun hat der Christdemokrat sich einen neuen Spitzenjob ergattert: Der 61-Jährige wird der neue Chef des UN-Hochkommissariats für Flüchtlingsfragen (UNHCR). Eigentlich hatte Den Haag den Umweltminister Jan Pronk für den Job nominiert. Doch UN-Generalsekretär Kofi Annan zog dem Sozialdemokraten den Christdemokraten Lubbers vor.

"Ruud war der am längsten amtierende Premier Westeuropas," erklärt Pronk dessen überraschende Ernennung: "Er hat andere Kontakte als ein einfacher Minister." Tatsächlich hatte der Unternehmersohn zwischen 1982 und 1994 als Premier die heimische Politszene dominiert, machte sich als pragmatischer "Mann des Ausgleichs" auch in Europa einen Namen. Er war es, der den Niederlanden Ende der 80er Jahre einen rigiden Sparkurs verordnete und damit den Grundstein für die heutigen Erfolge legte.

Doch nach seinem Abschied aus Den Haag folgte der Karriereknick. Fest hatte Lubbers mit einer neuen Aufgabe auf dem internationalen Parkett gerechnet. Doch Helmut Kohl verhinderte 1994 seine Ernennung zum EU-Kommissions-Vorsitzenden: Kohl hat ihm seine Vorbehalte gegen die Wiedervereinigung nie verziehen. Vergeblich machte sich Den Haag 1995 für seine Ernennung zum Nato-Generalsekretär stark: Washington zog ihm den Spanier Javier Solana vor. Dass der ausrangierte Ex-Premier nun doch noch "unter die Haube" gekommen ist, hat er kaum den Bemühungen seines Nachfolgers Wim Kok zu verdanken: Hinter dessen Rücken wurde er von Annan rekrutiert.

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