Saad Hariri : Ein Porträt des libanesischen Regierungschefs

Saad Hariri ist am Ziel. „Ich muss vier Jahre lang hart arbeiten, um die Schuhe meines Vaters wenigstens ein bisschen auszufüllen“, hatte er noch 2005 zu Beginn seiner eher zufälligen politischen Karriere gesagt. Jetzt wird er selbst Regierungschef des Libanon, ein Amt, das sein ermordeter Vater Rafik Hariri von 1992 bis 1998 und von 2000 bis 2004 innehatte.

Martin Gehlen

KairoAm Samstag ernannte Präsident Michel Suleiman den 39-Jährigen zum neuen Ministerpräsidenten, nachdem 86 der 128 Abgeordnete ihn für dieses Amt nominiert hatten, darunter 15 aus den Reihen der Opposition aus Hisbollah und pro-syrischen Christen.

Vor dem 14. Februar 2005 – dem Bombenschlag auf seinen Vater - hatte Saad Hariri mit Politik nicht viel am Hut. Nach seinem Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft 1992 an der Washingtoner Georgetown-Universität arbeitete er zunächst als Manager, seit 1998 dann als Generaldirektor in dem von seinem Vater gegründeten Baukonzerns Saudi Oger, mit 35.000 Angestellten eines der größten Unternehmen im Nahen Osten. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ notierte Hariri auch in diesem Jahr wieder mit 1,4 Milliarden Dollar Vermögen auf der Liste der reichsten Männer der Welt. Mit seiner aus Syrien stammenden Frau lebte der Vater dreier Kinder viele Jahre in der saudischen Hauptstadt Riad, wo er am 18. April 1970 zur Welt gekommen war. Dort genoss er seine Privatsphäre und sein Luxusleben, bis ihn vor vier Jahren der Ruf seiner Familie aus Beirut ereilte. Er solle als „politischer Erbe“ seines Vaters in die libanesische Politik gehen - für den Geschäftsmann ein Sprung ins kalte Wasser.

Inzwischen ist er aufgestiegen zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten seines Landes. Vor vier Jahren begnügte sich Saad Hariri nach dem überraschenden Wahlsieg seiner Zukunftsbewegung noch mit der Rolle des Mehrheitsführers im Parlament. Regierungschef wurde Fuad Siniora, ein langjähriger politischer Weggefährte seines Vaters Rafik. Doch als Sohn Saad Anfang Juni 2009 seinen Erfolg bei den Wählern wiederholen und erneut einen Sieg der Hisbollah-Koalition verhindern konnte, war die Reihe nun an ihm. Seither gibt er sich staatsmännisch und versöhnlich. Er spricht von einem Sieg für die Demokratie und den Libanon. Über den politischen Gegner kommt ihm kein böses Wort mehr über die Lippen. „Wie im Wahlkampf versprochen, wollen wir eine Regierung der nationalen Einheit bilden – und mit allen Seiten Gespräche führen“, sagte Hariri am Samstag mit der Ernennungsurkunde in der Hand. „Der Weg ist nicht einfach. Es gibt mehr Hürden und Stolpersteine, als im Augenblick sichtbar sind.“

Die höchste Hürde dürfte die Forderung der Hisbollah sein, auch im neuen Kabinett wieder ein Vetorecht zu bekommen. Damit muss Schluss sein, hatte der sunnitische Politiker noch im Wahlkampf verkündet. Diese politische Fessel will er abstreifen - ohne eine neue Phase von Instabilität und Konfrontation auszulösen. Die erste Reaktion der schiitischen Verlierer allerdings fiel ziemlich gereizt aus und taxierte bereits den Preis für das Ende des Vetorechts: Das Waffenarsenal sei tabu und dürfe nicht angetastet werden. Und die Rolle von Hisbollah als Widerstandspartei gegen Israel dürfe nicht in Frage gestellt werden. Vier Stunden lang trafen sich letzte Woche Saad Hariri und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah – es sei vor allem um die Kabinettsbildung gegangen, war aus ihrer Umgebung zu hören. Und ihr Kommunique schloss mit dem Satz: „Beide Seiten betonten die Wichtigkeit von Dialog und Kooperation unter allen Libanesen.“

 

 

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