Saarland : Lafontaine schielt nach der Macht

Gründungsparteitag des Landesverbandes der Linken: Oskar Lafontaine hofft auf ein politisches Comeback in seiner saarländischen Heimat.

Jürgen Petzold
Lafontaine
Gründungsparteitag der Linken im Saarland: Oskar Lafontaine und seine Frau Christa Müller -Foto: dpa

Saarbrücken Es ist ein Heimspiel für Oskar Lafontaine: "Wir wollen einen Politikwechsel an der Saar", ruft der Linken-Bundesvorsitzende beim Gründungsparteitag seines Landesverbandes und erntet dafür stürmischen Beifall. Der mächtige Chef der neuen Partei lässt keinen Zweifel daran, dass er gerne ein politisches Comeback in seiner saarländischen Heimat hätte. Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hat es die Linke an der Saar in der Tat viel einfacher als in den anderen West-Ländern, wo der Parteiaufbau zuweilen noch holprig verläuft.

In der Saarbrücker Kongresshalle fällt es Oskar Lafontaine nicht schwer, den richtigen Ton zu treffen. Leutselig berichtet er vor den Delegierten von seinem Besuch bei einem örtlichen Metallbetrieb, wo die Leiharbeiter gerade mal die Hälfte des tariflichen Lohns verdienen. Und er schwärmt vom Aufbau der neuen Partei, die in knapp zwei Jahren ihre Mitgliederzahl von 180 auf 1800 "verzehnfacht" habe. Und mit Blick auf die Bundestagswahl, wo die Linke im Saarland bereits 18,5 Prozent geholt hatte, ruft er selbstbewusst in den Saal: "Wir wollen stärker werden und haben das Zeug dazu."

Oskar for Ministerpräsident

Zwar sagt es Oskar Lafontaine an diesem Sonntag nicht ausdrücklich, aber er lässt keine Zweifel daran: Er würde gerne wieder Ministerpräsident werden im Saarland, und baut dabei auf seine Popularität. Schließlich war er bereits von 1985 bis 1998 für 13 Jahre Regierungschef im kleinsten deutschen Flächenstaat.

Auch die Bundespartei setzt hohe Erwartungen in Lafontaines Saarland-Engagement. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch geht fest davon aus, dass die Linke in Saarland bei der Landtagswahl im Herbst 2009 ein zweistelliges Ergebnis einfahren wird - wovon die Partei in den anderen westdeutschen Ländern nur träumen kann. In Hessen etwa warf der Spitzenkandidat Pit Metz kürzlich das Handtuch, nachdem er den DDR-Schießbefehl mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr verglichen hatte. Jetzt soll der Friedensaktivist Willy van Ooyen die Hessen-Linke in den Wahlkampf 2008 führen.

Alte Weggefährten

Seit der offiziellen Gründung der Bundespartei "Die Linke" im Juni, bei der Lafontaine zu einem der Parteichefs gewählt wurde, ist der Saarländer emsig dabei, seine Bastion im heimischen Landesverband auszubauen. Manch alten Weggefährten aus seinen alten SPD-Zeiten holte er seither zur neuen Partei: Der frühere SPD-Parlamentsgeschäftsführer im Saarbrücker Landtag, Leo Stefan Schmitt, gehört ebenso dazu, wie der langjährige Chef des Verdi-Landesverbandes, Rolf Linsler. Und von den Grünen wechselte die Grünen-Abgeordnete Barbara Spaniol zur neuen Linken.

Auch der Saarbrücker Gründungsparteitag startete ganz im Sinne Lafontaines. Zu Beginn lehnten es die Delegierten gleich ab, die Beratung des Landesprogramms von der Tagesordnung zu nehmen. Zündstoff birgt dieses vor allem wegen der Familienpolitik, bei der die Saar-Linke ihren ganz eigenen Kurs fährt.

Streit um Christas Familienpolitik

Hier trägt das Programm, das in Saarbrücken beraten werden sollte, die Handschrift von Lafontaines Frau Christa Müller. Sie bricht eine Lanze für die häusliche Kindererziehung: Die elterliche Erziehungstätigkeit sei für die Gesellschaft "von unschätzbarem Wert", heißt es in der Vorlage. Die Mehrheit der Frauen habe doch gar nicht den Wunsch, gleich nach dem Mutterschutz wieder berufstätig zu werden. Schließlich sei die Erziehung der eigenen Kinder eine "selbstbestimmte, erfüllende Tätigkeit".

Mit ihren Familien-Thesen hat Müller den Unmut vor allem bei den ostdeutschen Linken auf sich gezogen, doch bei den Wählern im Saarland könnte Lafontaine damit punkten. Und sollte es 2009 doch nichts werden mit dem Comeback im Saarland, wäre das für ihn mit Sicherheit kein Beinbruch. In einem Rundfunk-Interview hat er kürzlich betont: "Es ist nun einmal so, dass ich als Partei- und Fraktionsvorsitzender im Bund mehr bewirken kann." (mit AFP)

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