Saarland : Mutmaßlicher islamistischer Terrorist festgenommen

Die Polizei im Saarland hat einen Terrorverdächtigen festgenommen. Auf Youtube-Videos soll er mit Anschlägen in Deutschland gedroht haben Der 18-Jährige wollte offenbar ein Mitglied der Sauerlandgruppe freipressen.

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Berlin - Das Deutsch klingt brüchig und man sieht nur eine große Kapuze oder eine Mütze. Doch die Drohungen in den Videos bei Youtube sind nach Ansicht der Sicherheitsbehörden ernst zu nehmen. „Deutschland hat mit mehreren Bombenanschlägen zu rechnen“, sagt der Vermummte und fordert die Freilassung von Daniel Schneider, einem der vier zu hohen Strafen verurteilten Mitglieder der 2007 aufgeflogenen Sauerlandgruppe. Die Polizei im Saarland machte nun offenbar dem Spuk des Video-Dschihadisten ein Ende. Am Freitag nahm sie in Neunkirchen den 18-jährigen Kevin S. fest, der für die Drohbotschaften verantwortlich sein soll und schon länger überwacht wurde. Der aus Kamerun stammende Mann sei ein „hochemotionaler, sehr gefährlicher Einzelgänger“ , hieß es in Sicherheitskreisen. Es werde aber auch geprüft, ob es einen Mittäter gab. Mit der Festnahme soll ein Terrorangriff auf die Bundesrepublik verhindert worden sein.

Kevin S. sei ein zum Islam konvertierter, ehemals protestantischer Christ und habe sich seit April schnell radikalisiert, sagten Experten. Er habe aus dem Internet Anleitungen zum Bombenbau heruntergeladen, „die im Ernstfall auch funktioniert hätten“. Kevin S. sei der klassische Fall eines „Homegrown-Terroristen“, allerdings ohne Anbindung an eine Gruppe. Den Begriff „Homegrown-Terrorist“ verwenden Fachleute seit den Anschlägen in London im Juli 2005. Damals hatte eine Gruppe in Großbritannien aufgewachsener Islamisten mit Selbstmordanschlägen auf die U-Bahn und einen Bus 52 Menschen in den Tod gerissen.

Die Sicherheitsbehörden wurden auf Kevin S. aufmerksam, als er Videos mit islamistischen Inhalten im Internet verbreitete. Zuletzt soll er in drei Filmen, die zwischen 50 und etwas mehr als 100 Sekunden dauern, mit den Bombenanschlägen gedroht und die Freilassung von „Bruder Abdullah“ gefordert haben. Damit ist der auch aus Neunkirchen stammende Daniel Schneider gemeint, den das OLG Düsseldorf im März zu zwölf Jahren Haft verurteilt hatte. Kevin S. habe Schneider verehrt, sagten Sicherheitsexperten. Die Videos werden bei Youtube als Produkt der „Sauerlandgruppe“ präsentiert, außerdem ist die Rede von deutschen „Mujahiden“, also Glaubenskämpfern. Die behauptete Struktur gebe es aber nicht, sagten Fachleute. Der Kameruner habe lediglich losen Kontakt zu einer Gruppierung in Neunkirchen unterhalten, die früher zum Umfeld der Sauerlandgruppe zählte.

Die Videos von Kevin S. seien immer radikaler geworden, hieß es in Sicherheitskreisen. Außerdem habe der Konvertit geplant, sich in den Dschihad zu begeben. „Er wollte über Ägypten und Iran ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet reisen“, hieß es. Ein alternatives Ziel sei Jemen gewesen. Kevin S. habe jedoch das Geld gefehlt, um eine Reise in eine der Dschihad-Regionen unternehmen zu können. Der 18-Jährige mit mittlerer Reife sei zuletzt bei einem TÜV-Unternehmen im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme tätig gewesen, berichten Experten. Kevin S. war 2001 mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen.

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