Politik : Saddam greift Richter im Prozess an

-

Bagdad - Zum Auftakt des Prozesses gegen den früheren irakischen Staatschef Saddam Hussein am Montag in Bagdad wegen Völkermordes hat der Angeklagte das Gericht angegriffen. In dem Prozess wird Saddam Hussein für die Tötung von mehr als 100 000 Kurden bei der so genannten Operation Anfal Ende der 80er Jahre verantwortlich gemacht.

Saddam Hussein weigerte sich zum Prozessauftakt am Vormittag zunächst, seine Personalien anzugeben und empörte sich stattdessen über das Gericht. „Sie sind hier im Namen des Besatzers, nicht im Namen des Irak“, griff er den Vorsitzenden Richter lautstark an. Er sei „in der ganzen Welt bekannt“, sagte der 69-Jährige, bevor er sich schließlich als „Präsident der Republik Irak und Oberkommandierender der Streitkräfte“ vorstellte. Weil Saddam Hussein sich weigerte, sich schuldig oder nicht schuldig zu bekennen, wertete der Richter die ausbleibende Antwort als „nicht schuldig“. Auch Saddam Husseins Cousin Ali Hassan el Madschid, einer der sechs Mitangeklagten, wollte sich nicht zur Anklage äußern. Der als „Chemie-Ali“ berüchtigte Madschid wird für Giftgasangriffe auf Kurden verantwortlich gemacht. Saddam Hussein geriet ein weiteres Mal in Rage, als der Richter zwei seiner Anwälte das Wort verbot. Die arabischen Anwälte dürften sich nach irakischem Recht nicht selbst äußern dürften, sondern müsxsten ihr Anliegen dem irakischen Chefverteidiger übermitteln, sagte der Richter.

Das neue Verfahren könnte bis Mitte Dezember beendet sein. Im ersten Prozess wegen des Massakers an Schiiten aus dem Dorf Dudschail 1982 soll das Urteil bereits am 16. Oktober fallen. AFP

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben