Politik : Saddam hält sich für unanklagbar

-

Bagdad - Der irakische Ex-Machthaber Saddam Hussein und seine sieben Mitangeklagten haben am Montag im Prozess um ein Massaker im Jahr 1982 auf „nicht schuldig“ plädiert. Während die Mitangeklagten auf die Verlesung der Anklagepunkte am 24. Prozesstag alle eindeutig „nicht schuldig“ antworteten, gab Saddam vor dem Sondertribunal in Bagdad eine unklare Antwort, die der vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman aber als „nicht schuldig“ interpretierte. Saddam bestand darauf, dass er immer noch der Präsident des Iraks sei – und laut Verfassung dürfe das Gericht „den Präsidenten“ nicht anklagen.

Saddam hatte nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf ihn als Präsidenten mit seinen einstigen Getreuen im Jahr 1982 in der schiitischen Kleinstadt Dudschail mutmaßliche Verschwörer getötet. Außerdem hatte er Dutzende von Einwohnern des Ortes hinrichten lassen und ganze Familien für Jahre ins Gefängnis gesteckt. Laut Staatsanwaltschaft waren damals 148 Männer aus Dudschail nach einem Schauprozess hingerichtet worden.

Zu den Anklagepunkten gegen Saddam zählen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, Folter von Frauen und Kindern und die Tötung von neun Männern direkt nach dem Attentatsversuch. Hussein erklärte: „Die Liste der Anklagepunkte gegen mich ist zu lang, als dass ich darauf einfach mit Ja oder Nein antworten könnte.“ Die nächste Sitzung des Gerichts ist für den heutigen Dienstag geplant.

Im Anschluss an das Dudschail-Verfahren sollen Saddam und andere Funktionäre des alten Regimes wegen der Angriffe auf Kurden im Nordirak vor Gericht gestellt werden. Zu den Mitangeklagten in diesem Verfahren gehört auch Saddams Cousin Ali Hassan al Madschid, genannt „Chemie-Ali“, der den Giftgasangriff auf die kurdische Kleinstadt Halabdscha befohlen haben soll. dpa/AFP

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben