Saddam-Prozess : Staatsanwalt fordert Todesstrafe

Der irakische Generalstaatsanwalt hat für den früheren Machthaber Saddam Hussein im Prozess um ein Massaker in der Kleinstadt Dudschail die Todesstrafe gefordert. Japan gab unterdessen bekannt, seine Truppen aus dem Irak abzuziehen.

Bagdad - Auch Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan al Tikriti sollten wegen ihrer Beteiligung an dem Massaker hingerichtet werden, sagte Staatsanwalt Dschafar al Mussawi. Unterdessen gab Ministerpräsident Nuri al Maliki bekannt, dass nach Italien nun auch Japan seine Truppen aus dem Irak abziehen wolle. Irakische Sicherheitskräfte würden dann die Kontrolle in der als verhältnismäßig ruhig geltenden Provinz Muthanna übernehmen.

Für vier weitere Angeklagte - ein Ex-Richter und drei Parteifunktionäre - beantragte Staatsanwalt Al Mussawi in seinem Schlussplädoyer Haftstrafen. Mohammed Asawi Ali, ein lokaler Funktionär von Saddams Baath-Partei, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft als einziger freigelassen werden. Die Anwälte der Angehörigen der Opfer des Massakers erklärten, alle acht Angeklagten hätten die Todesstrafe verdient. Die Angeklagten verzogen bei der Sitzung am Montag kaum eine Miene.

In Dudschail waren 1982 nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Saddam Hunderte von Menschen festgenommen und gefoltert worden. 148 Männer wurden zum Tode verurteilt. In Vorbereitung ist derzeit außerdem noch ein Prozess gegen Saddam und andere frühere Regimegrößen wegen der Angriffe auf die Kurdengebiete im Nordirak.

Japan will Truppen aus Irak abziehen

Kurz nach der Erklärung Malikis zu den japanischen Truppen hieß es in Tokio, Ministerpräsident Junichiro Koizumi wolle den Plan für den Abzug an diesem Dienstag offiziell bekannt geben. Japan werde aber auch nach dem Abzug weiter für den Wiederaufbau und humanitäre Hilfe sorgen. Das 600 Mann starke japanische Kontingent besteht hauptsächlich aus Ingenieuren und medizinischem Personal. Vergangene Woche hatte Italien den Abzug seiner Truppen bekannt gegeben.

Mindestens 20 Menschen kamen am Montag im Irak bei Anschlägen ums Leben. In Al Madain, 15 Kilometer südlich von Bagdad, erschossen Unbekannte eine Mutter und zwei Kinder in ihrem Haus. In Latifija südlich von Bagdad wurden vier Mitglieder einer schiitischen Familie getötet.

Die US-Armee setzte unterdessen südlich von Bagdad ihre Suche nach zwei amerikanischen Soldaten fort, die seit einem Rebellenangriff am Freitag verschollen sind. Zu der Entführung bekannte sich am Montag die Terrorgruppe Al Qaida im Irak. Die Echtheit des Bekennerschreibens, das auf einer Islamisten-Internetseite veröffentlicht wurde, konnte jedoch nicht überprüft werden. (tso/dpa)

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