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Sadiq Khan ist Bürgermeister : Der "britische Muslim" regiert jetzt London

Im Wahlkampf wurden ihm mehrfach Sympathien für Islamisten unterstellt. Am Samstag wurde Sadiq Khan als Bürgermeister ins Amt eingeführt.

Der 45-jährige Sadiq Khan ist Sohn eines Einwanderers aus Pakistan.
Der 45-jährige Sadiq Khan ist Sohn eines Einwanderers aus Pakistan.Foto: imago/i Images

London wird künftig erstmals von einem muslimischen Bürgermeister regiert. Der Labour-Kandidat Sadiq Khan, Sohn eines Einwanderers aus Pakistan, wurde nach seinem klaren Sieg über den konservativen Kandidaten Zac Goldsmith am Samstag offiziell ins Amt eingeführt. Khan hatte laut Endergebnis von Freitag rund 57 Prozent der Stimmen erhalten. Er kündigte an, "Bürgermeister für alle Londoner" zu sein.

Die feierliche Vereidigung Khans fand am Samstag in der Southwark Cathedral in der britischen Hauptstadt statt. Sadiq Khan, Sohn eines Einwanderers aus Pakistan, siegte klar über den konservativen Kandidaten Zac Goldsmith. Khan erhielt rund 57 Prozent der Stimmen.

Der 45-Jährige Labour-Politiker verkörpert den Traum Zigtausender Einwanderer, die ihr Glück in der Millionenmetropole London suchen. Khan wuchs mit sieben Geschwistern in einer Sozialwohnung im Süden Londons auf. Der Vater arbeitete als Busfahrer, die Mutter als Näherin. Der ehrgeizige Sadiq studierte Jura und wurde Menschenrechtsanwalt. 2005 wählten ihn die Bürger in seinem Heimatviertel per Direktwahl zum Abgeordneten. Unter Premierminister Gordon Brown diente er als Verkehrsminister. Bei der obligatorischen Vereidigung zum Geheimrat im Buckingham Palace legte Khan seinen Eid nicht auf eine Bibel, sondern auf einen Koran ab.

In seiner Dankesrede nahm Khan in der Nacht zu Samstag Bezug auf den mit harten Bandagen geführten Wahlkampf, in dem die Konservativen ihm Sympathien für islamische Extremisten unterstellt hatten. Sowohl sein konservativer Rivale Goldsmith, als auch Premierminister David Cameron trugen den Vorwurf gebetsmühlenhaft vor. Khan dagegen bezeichnete sich stets als "britischen Muslim" und versicherte, gegen Extremisten zu kämpfen. "London hat für die Hoffnung und gegen die Furcht, für die Einheit und gegen die Spaltung gestimmt", sagte der 45-jährige Khan. Das mache ihn stolz. "Furcht macht uns nicht sicherer, sie macht uns nur schwächer", sagte er.

Khan versprach, ein "Bürgermeister für alle Londoner" zu sein. Bei Khans Siegesrede waren auch die Kandidaten der anderen Parteien auf der Bühne. Der Kandidat der rechtsgerichteten Partei Britain First, Paul Golding, drehte Khan bei dessen Ansprache demonstrativ den Rücken zu.

Obwohl Khan linke Positionen vertritt, will er nach eigener Aussage "der wirtschaftsfreundlichste Bürgermeister von London" werden. Er versprach den Wählern, mehr in bezahlbare Wohnungen zu investieren und die Kosten für den Nahverkehr einzufrieren.

Offiziell unterstützt er den linken Parteichef Jeremy Corbyn, er hält aber auch immer ein bisschen Distanz zu ihm. Als vor allem Politiker des linken Parteiflügels kurz vor der Wahl in eine Antisemitismus-Debatte schlitterten, sparte Khan nicht mit Kritik. Rasch verurteilte er umstrittene Äußerungen des ehemaligen Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, Hitler habe zeitweise den Zionismus unterstützt.

Khan ist mit einer Anwaltskollegin verheiratet und hat zwei Töchter im Teenager-Alter. (dpa, AFP)

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