Politik : SAID ABDEL MONEM

Andrea Nüsse[Kairo]

Said Abdel Monem ist ein Mittler zwischen den Welten. Der Experte für Internationale Beziehungen verfolgt in seiner Arbeit „zwei Stränge“. In Arabisch schreibt er über die Auswirkungen der Globalisierung und bringt den Lesern die amerikanische Außenpolitik nahe. In englischsprachigen Publikationen versucht er „dem Westen zu sagen, wer wir sind“. Vielleicht erleichtert ihm die luftige Höhe seines Büros, das im 11. Stock eines Hochhauses in der Kairoer Innenstadt liegt, ständig die Perspektive zu wechseln. Seit 1994 ist Said Abdel Monem Direktor des angesehenen Al-Ahram-Zentrums für politische und strategische Studien, dem wichtigsten privaten Think Tank Ägyptens. Hier wird akademische Recherche betrieben, aber nie losgelöst von der Politik. So ist Said Abdel Monem nicht nur wissenschaftlich tätig, sondern auch Gastgeber einer politischen Talkshow im ägyptischen Fernsehen und Kommentator der Tagespolitik für verschiedene arabische Zeitungen. Er ist stolz darauf, dass die Wissenschaftler des Zentrums die gesamte politische Meinungspalette vertreten. Er selbst ist Mitglied in der Politik-Kommission der Regierungspartei NDP. Andere Mitarbeiter stehen der Oppositionsgruppe Kifaja nahe. Gemeinsame Aufgabe sei die „Definition der nationalen Interessen“. Und auch in einer innenpolitisch bewegten Zeit, wo die Ansichten darüber, was im Interesse Ägyptens ist, deutlich auseinander gehen, würden von allen Mitarbeitern „Objektivität und akademische Standards“ eingehalten.

Mit der Weltpolitik konfrontiert wurde der Abgänger der Fakultät der politischen Wissenschaften der Universität Kairo im Oktoberkrieg 1973, den er als wehrpflichtiger Soldat miterlebte. Später ging er zum Studium in die USA. Seither sind die Sicherheitspolitik, mit Schwerpunkt auf Nahost und Golfregion die Hauptthemen der wissenschaftlichen Arbeit Said Abdel Monems. Doch in jüngster Zeit ist Said Abdel Monems Analyse der innenpolitischen Entwicklung Ägyptens mehr gefragt denn je. Er begrüßt die „Rückkehr der Politik nach 50-jähriger Abwesenheit“. Der Prozess der politischen Öffnung werde langsamer vorangehen, als von vielen erhofft. Aber er wird weitergehen, ist sich Monem sicher.

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