Politik : Sakrament, so geht’s nicht

Von Stephan-Andreas Casdorff

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Er ist weg. Nein, nicht Edmund Stoiber, der noch nicht. Aber der Michael Höhenberger, sein Getreuer seit Jahren, sein Wahlkampfmanager, sein Alter Ego, einer, der denkt und redet wie er. Das war im Fall der Fürther Landrätin Gabriele Pauli unübersehbar der Versuch, die Pfeile vom Recken Edmund abzulenken, die Schuld auf sich zu nehmen, um nur ja schnell eine Debatte zu verhindern. Um bloß keinen Fall Stoiber zu provozieren. Dabei wird längst debattiert, kräftig und zuweilen krachledern: über Stoiber und sein Verhalten und seine Zukunft und wie lange das alles eigentlich noch so weitergehen soll. In friedlicher, vorweihnachtlicher Stimmung befindet sich die CSU bestimmt nicht.

Die Ersten kommen jetzt mit geharnischter Kritik, die Vorhut traut sich hervor. Rotenhan, Imhof, Namen sind das, die nicht jedem geläufig sind, geläufig sein müssen, aber zeigen, dass sich die aus der zweiten Reihe nicht mehr lange im Zaum halten lassen. Warum auch? In der CSU, dieser Staatspartei, ist es unglückselige Tradition, nicht geordnete Übergänge von einem zum anderen Landeschef zu bewerkstelligen, nein, da werden die jeweiligen Amtsinhaber geradezu kleingehackt. Oder die, die es werden wollen und nach Meinung anderer nicht werden sollen, werden mit Dreck beworfen. So war es in zurückliegender Zeit zum Beispiel mit Theo Waigel, der eine kranke Ehefrau hatte und eine Freundin, Irene Epple, mit der er heute verheiratet ist. Was sich der gefallen lassen musste! Und wer hatte schon damals nichts mit alledem zu tun? Stoiber.

Der Fall Gabriele Pauli passt also ins Muster. Die hatte ihre Kritik, und die hat sie dann öffentlich gemacht, verdammt öffentlich sogar, mit einem Anti-Stoiber- Forum im Internet. Da konnte der Regierungschef und Parteivorsitzende nicht still bleiben, das ist schon richtig. Aber er hätte sie selber stellen, sich ihr stellen können. Stattdessen hat Stoiber seine Machtkälte demonstriert, seine Überheblichkeit. Sie war ihm nicht wichtig genug, um persönlich ranzugehen, das hat Stoiber Pauli klargemacht; ob er es nun so gesagt hat oder nicht. Dafür hat er andere persönlich werden lassen; ob er es nun zugibt oder nicht. Als würde sein Höhenberger hinter seinem Rücken … Wer’s glaubt.

So, und nun? Jetzt kommt erst einmal das Christenfest, selbstverständlich besonders wichtig für eine christlich-soziale Union, die sich noch dazu als Hort des wohlverstandenen Konservativismus sieht. Aber genau darum wird es dann anschließend gehen, nach diesen Tagen, vor der Klausur in Kreuth und währenddessen bei den hohen Herren der Partei wahrscheinlich auch am Telefon: um die Werte der CSU. Sowohl im übertragenen Sinn als auch um die in den Umfragen. Wenn nämlich die CSU, von der mal ironisch behauptet wurde, sie habe das schöne Bayern erst erfunden, wirklich und wahrhaftig unter die 50-Prozent-Marke zu fallen droht – dann ist Schluss mit Stoiber, endgültig.

Und die Gefahr für ihn besteht weiter. Die Opposition mag zu starke Worte wählen, aber ein bisschen recht hat sie schon. Das sind Methoden, einerlei, wie sie schöngeredet werden, die mindestens in der Selbstsicht der CSU nicht mit ihr zu vereinbaren sind. Nicht zu akzeptieren, wenigstens für manche. Man möchte schon genauer wissen, was zum Beispiel einer wie Alois Glück, der Parlamentspräsident, zu dem Ganzen im Grunde seines Herzens meint. Ob sie den wohl demnächst zu Stoiber schicken, damit er ihm sagt: So geht das nicht weiter?

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