Salafismus : Extrem ohne Terror

Der Salafismus (salaf ist das arabische Wort für Vorfahren) ist eine fundamentalistische Strömung im Islam. Wie andere Fundamentalismen, auch solche im Christentum, bezieht er sich auf einen angeblich reinen Frühzustand der Religion und beharrt auf einer buchstabentreuen Lesart der heiligen Texte. Moderne Interpretationen werden strikt abgelehnt und gelten als häretisch. Richtschnur des Salafismus ist die – idealisierte – Frühzeit des Islam, die Zeit Mohammeds und seiner ersten Nachfolger. Die Abwertung der Moderne schließt soziale Entwicklungen ein: Auch was die Rolle der Geschlechter, das Straf- und Familienrecht angeht, wollen die Strenggläubigen zurück zum Urislam im 7. Jahrhundert – mit der Folge eines entsprechenden Umbaus des Staats, in dem sie leben. Auch für Deutschland sehen Verfassungsschützer und Experten der Polizei solche Tendenzen. Explizite Aufrufe zum Sturz des deutschen Gesellschaftssystems habe man allerdings noch nicht gefunden. Die Sicherheitsbehörden unterscheiden zwischen dem politischen und dem – in Deutschland nicht aktiven – dschihadistischen Salafismus, der auch Gewalt für ein akzeptables Mittel hält. Der politische Salafismus halte sich „formal an die Rechtsordnung“. Der Verfassungsschutz beschäftigt sich seit 2010 schwerpunktmäßig mit den Salafisten. Er schätzt ihre Zahl auf 4000 Personen. Terroristen seien sie nicht, aber Extremisten und für alle, die später zur Gewalt greifen, eine ideologische „Durchgangsstation“. ade

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