Sambia : 77-jähriger Präsident stirbt in London

Sambias greiser Präsident Michael Sata ist tot. Er hinterlässt ein politsch vergleichsweise stabiles, aber weiter bitterarmes Land.

Michael Sata während des - verlorenen - Wahlkampfs 2006
Michael Sata während des - verlorenen - Wahlkampfs 2006Foto: Mackson Wasamunu/AFP

Sambias Präsident Michael Sata ist tot. Der 77-Jährige sei Dienstagabend in einem Londoner Krankenhaus gestorben, teilte die Regierung in Lusaka am Mittwoch mit. Kabinettssekretär Rowland Msiska rief die Bevölkerung des südostafrikanischen Landes auf, Ruhe zu bewahren.
Der schwerkranke Politiker war vor zehn Tagen in Begleitung seiner Frau sowie weiterer Familienmitglieder zur medizinischen Behandlung nach Großbritannien gereist. Über seine Krankheit wurden keine Einzelheiten bekannt. Seit der Ausreise Satas ist Verteidigungsminister Edgar Lunga amtierender Präsident.

Von der Ein-Parteien-Herrschaft zur Demokratie

Sata war der fünfte Präsident Sambias, seit das frühere Nordrhodesien 1964 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Bis 1991, als die Bevölkerung einen Verfassungswechsel erzwang, wurde das Land von der Staatspartei des Gründers Kenneth Kaunda beherrscht, der lange auch Sata angehörte. Der einstige Polizist, Eisenbahnarbeiter und Gewerkschafter hatte 2011 mit seiner Partei Patriotische Front nach zehn Jahren in der Opposition demokratische Wahlen gewonnen. Sata, der immer wieder Robert Mugabe und seine Alleinherrschaft im Nachbarland Zimbabwe verteidigte, hatte im Wahlkampf versprochen, die Einnahmen aus dem Export von Kupfer gerechter zu verteilen. Sambia gehört zu den größten Kupferproduzenten der Welt. Es war zu Zeiten der Apartheid in Südafrika eines der Rückzugsgebiete von Oppositionellen und ANC-Militanten.

Gegner chinesischer Investoren

In den letzten Jahren investierte China massiv im Land; Sata war ein heftiger Gegner dieses Engagements, hatte aber im letzten Wahlkampf seine Angriffe gegen chinesische Investoren gezügelt, die zwar Arbeitsplätze schufen, aber im Ruf stehen, ihre Leute auszubeuten. Trotz vergleichsweise hoher wirtschaftlicher Wachstumsraten und jahrzehntelanger weitgehender politischer Stabilität lebt die Mehrheit der Bevölkerung Sambias weiterhin in bitterer Armut. Die Lebenserwartung ist eine der geringsten, die Todesrate - auch wegen hoher Aids-Fallzahlen - eine der höchsten der Welt. dpa/Tsp

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