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Sanaa : Auswärtiges Amt bestätigt Tötung eines Deutschen im Jemen

Ein deutscher Sicherheitsbeamter ist in Jemens Hauptstadt Sanaa erschossen worden. Er arbeitete für die deutsche Botschaft. Berichten zufolge könnte die Botschafterin das eigentliche Ziel gewesen sein. Doch das Auswärtige Amt dementiert.

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Die deutsche Botschaft im Jemen, aufgenommen 2009.
Die deutsche Botschaft im Jemen, aufgenommen 2009.Foto: dpa

Ein deutscher Botschaftsmitarbeiter ist bei einem Überfall in Jemens Hauptstadt Sanaa ums Leben gekommen. „Wir müssen leider bestätigen, dass ein deutscher Sicherheitsbeamter, der an der Botschaft in Sanaa tätig war, in Jemen getötet wurde“, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montagmorgen mit. Gemeinsam mit der Vertretung in Sanaa und den jemenitischen Behörden werde sich um Aufklärung der Tat bemüht. Der Mann soll örtlichen Sicherheitskreisen zufolge als Leibwächter für Diplomaten tätig gewesen sein.

Nach jemenitischen Medienberichten wollten Unbekannte den Deutschen am Sonntag vor einem Einkaufszentrum im südlichen Stadtteil Hadda entführen. Als er sich gewehrt habe, sei er getötet worden. Die Zeitung „Yemen Times“ zitierte einen Mitarbeiter des Dschandul-Einkaufszentrums und Augenzeugen. Demnach sollen drei Bewaffnete den Deutschen am Eingang eines Supermarktes getötet haben. Nach der Tat seien sie in einem schwarzen Fahrzeug geflüchtet.

Ein Korrespondent des Fernsehsenders Al-Arabija sagte, das eigentliche Ziel des Angriffs sei die deutsche Botschafterin gewesen. Sie sei aber davongekommen. Botschaft und Einkaufszentrum befinden sich im Diplomatenviertel der Stadt. Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes wies diese Darstellung zurück: „Meldungen über einen Entführungsversuch der deutschen Botschafterin sind unzutreffend.“

Auch das Außenministerium in Sanaa dementiert Berichte, nach denen die deutsche Botschafterin nur knapp einer Entführung entgangen sei. Botschafterin Carola Müller-Holtkemper „befindet sich derzeit gar nicht im Jemen“, sagte ein Sprecher.

Carola Müller-Holtkemper übernahm erst vor wenigen Tagen, am 30. September, offiziell ihr Amt als Botschafterin.
Carola Müller-Holtkemper übernahm erst vor wenigen Tagen, am 30. September, offiziell ihr Amt als Botschafterin.Foto: Promo

Am Sonntag wurde im Jemen auch ein Unicef-Mitarbeiter entführt

Carola Müller-Holtkemper hatte erst vor einer Woche, am 30. September, ihre offizielle Akkreditierung bei Jemens Präsident Abdu Rabu Mansour Hadi übergeben. Sie war zuvor schon viele Jahre in der arabischen Welt tätig gewesen, in den Jahren 2003 und 2004 in Bagdad, anschließend von 2004 bis 2006 in Rabat und von 2006 bis 2007 in Khartum. Von 2010 bis 2013 war sie Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Tirana. Deutsche Diplomaten waren bisher von Attentaten oder Entführungsversuchen durch Al Qaida im Jemen nicht betroffen. Zuletzt war 2010 der damalige britische Botschafter Tim Torlot nur knapp einem Selbstmordangriff auf seinen Konvoi entgangen. Momentan befinden sich zwei niederländische Journalisten sowie ein saudischer und iranischer Diplomat in den Händen von jemenitischen Terroristen. Am Sonntag wurde in Sanaa zudem ein Mitarbeiter von Unicef entführt. Der Mann aus Sierra Leone war auf dem Weg zum Flughafen, als die Kidnapper ihm auflauerten.

Jüngste US-Terrorwarnung vor acht Wochen

Als Reaktion auf die spektakuläre Terrorwarnung der Vereinigten Staaten Anfang August war auch die deutsche Botschaft im Jemen für mehrere Tage geschlossen geblieben. Der Komplex gehört seit dem schweren Bombenangriff von Al Qaida auf die US-Botschaft in Sanaa vor fünf Jahren zu den am besten gesicherten Missionen Deutschland in der arabischen Welt. Die jüngste US-Terrorwarnung vor acht Wochen wurde offenbar ausgelöst durch ein vom CIA abgehörtes Gespräch zwischen Osama bin Ladens Nachfolger Ayman al-Zawahri und Jemens Al Qaida-Chef Nasser al-Wuhayshi. Der 36-Jährige war Osama bin Ladens Privatsekretär, gilt heute als das operative Hirn der gesamten Terrororganisation. „Tu etwas“, soll Al-Zawahri den Jemeniten aufgefordert und verlangt haben, so schnell wie möglich mit Attentaten zu beginnen, ohne jedoch konkrete Ziele zu nennen.

Al Qaida in Jemen gilt heute als die gefährlichste Filiale in dem globalen Terrornetzwerk. Auf ihr Konto geht 2009 der Attentatsversuch des so genannten Unterhosenbombers beim Anflug auf Detroit. Ein Jahr später wurden Sprengsätze in zwei Frachtflugzeugen entdeckt, die in Laserdruckern versteckt waren. Unter der Führung des charismatischen Nasser al-Wuhayshi, der 2006 bei einem Massenausbruch von Al Qaida-Häftlingen in Sanaa freikam, eroberten die Gotteskrieger zwischenzeitlich sogar mehrere Landstriche entlang der Küste, aus denen sie die Armee erst vor wenigen Monaten unter hohen Verlusten wieder vertreiben konnte. Zurück blieben zerstörte Städte und Dörfer, verwüstete und verminte Felder sowie zehntausende Obdachlose. Erst letzte Woche rückten die Gotteskrieger erneut vor und eroberten einen Militärkomplex in der Hafenstadt Mukalla, den die Armee erst nach mehrtägigen erbitterten Gefechten wieder in ihre Hand bringen konnte.

Die Anti-Terror-Einheit im Jemen
Frauen voran. In der Anti-Terror-Einheit der jeminitischen Armee sind auch Soldatinnen im EinsatzAlle Bilder anzeigen
1 von 5Fotos: Katharina Eglau
19.07.2011 09:29Frauen voran. In der Anti-Terror-Einheit der jeminitischen Armee sind auch Soldatinnen im Einsatz

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