Santiago de Chile : Spanischer König zu Chavez: Halt den Mund

Eklat beim Iberoamerika-Gipfel in Santiago de Chile nach verbalem Angriff des linksnationalen venezolanischen Präsidenten.

Sandra Weiss

CaracasEin ungewöhnlicher diplomatischer Eklat auf dem Iberoamerika-Gipfel in Santiago de Chile hat die großen politischen Differenzen der Mitglieder an den Tag gebracht. Zum Abschluss des Treffens der 22 Staats- und Regierungschefs am Samstag bezeichnete der linksnationalistische venezolanische Präsident Hugo Chavez den konservativen spanischen Ex-Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar als Faschisten und warf ihm und spanischen Unternehmern vor, 2002 einen Putsch gegen ihn unterstützt zu haben.

Als der spanische Premierminister Jose Luis Rodriguez Zapatero Respekt für demokratisch gewählte Regierungschefs anmahnte und ihn aufforderte, derart beleidigende Wertungen zu unterlassen, unterbrach ihn Chavez wiederholt. Daraufhin forderte der spanische König Juan Carlos sichtlich genervt den venezolanischen Staatschef auf, den Mund zu halten. Die gastgebende Präsidentin Michelle Bachelet mahnte die Streithähne zur Ruhe. Als dann der linke nicaraguanische Präsident Daniel Ortega ebenfalls die Spanier als kolonialistische Ausbeuter brandmarkte, verließ der König aus Protest den Saal und kehrte erst nach einem Gespräch mit der ihm nachgeeilten Bachelet zurück.

Chavez liebt Provokationen. Seine Rede vor der UN-Vollversammlung im vorigen Jahr, in der er US-Präsident George W. Bush mit dem Teufel verglich, ging in die Geschichte ein. Bekannt ist er auch für seine langen Reden – in Santiago sprach er 25 statt der vorgegebenen fünf Minuten. In seiner Rede stellte er außerdem das Arbeitsthema des Gipfels „soziale Kohäsion“ infrage. Das klinge verstaubt und konservativ. Er bevorzuge den Begriff „sozialer Wandel, der zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt“. Unterstützung erhielt Chavez von Bolivien, Kuba und Nicaragua. Die Repräsentanten dieser vier Länder nahmen am Samstagabend an einem von linken Organisationen veranstalteten Gegengipfel teil. Höhepunkt dieses Treffens war der Anruf von Kubas krankem Revolutionsführer Fidel Castro, dem geistigen Vater der vier, der die Anwesenden solidarisch grüßte.

Im Hintergrund schwelt ein latenter Konflikt zwischen den Linkspopulisten Lateinamerikas unter der Führung von Chavez und den Sozialdemokraten um Bachelet und den Brasilianer Luiz Inacio Lula da Silva um den besten Weg der Armutsbekämpfung. Verabschiedet wurden auf dem Gipfel ein von Spanien finanzierter Fonds in Höhe von einer Milliarde Euro, um die Versorgung mit Trinkwasser zu verbessern. Außerdem sollen die Sozialversicherungssysteme einander angeglichen werden. Sandra Weiss

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