Politik : Sarkozy führt Frankreichs Konservative

Sabine Heimngärtner

Paris - Generationswechsel bei den französischen Konservativen: Mit einem Rekordergebnis von 85,1 Prozent ist der scheidende Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy zum neuen Parteichef der Regierungspartei UMP gewählt worden. Der 49-Jährige will die Zahl der Parteimitglieder innerhalb eines Jahres auf über 200 000 verdoppeln, eine modernere Methode des Regierens fördern und Frankreich von seinem „verstaubten Image als Grande Nation“ befreien. Es werde keine Tabuthemen geben, betonte er.

„Ich bin bereit, mich einzusetzen, weil ich weiß, dass die Franzosen seit Jahren Veränderungen erwarten, und es sind wir, die sie in Angriff nehmen werden“, erklärte Sarkozy vor über 40 000 Parteimitgliedern. „Die Welt ändert sich, Frankreich kann nicht unbeweglich bleiben“, betonte er bei seiner ersten Rede als Parteichef, die von frenetischem Applaus begleitet wurde.

Noch nie in der Parteiengeschichte Frankreichs gab es einen derartigen Kongress, der, nach amerikanischem Vorbild organisiert, eher an ein Volksfest erinnerte als an einen Parteitag, garniert mit Show-Einlagen, üppigen Buffets, Debattierclubs und Künstler-Auftritten. Die Gesamtkosten der „Sarko“-Show in Le Bourget, dem Ausstellungsgelände vor den Toren der Hauptstadt, sollen sich auf mindestens fünf Millionen Euro belaufen.

Das neue Amt gilt als Sprungbrett für Sarkozys mögliche Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2007. Der Ex-Minister macht seit Jahren keinen Hehl daraus, dass er den amtierenden Staatschef Jacques Chirac ablösen will. Seitdem überwiegt die Missstimmung zwischen den beiden Männern, die sich fast 30 Jahre kennen. Diplomatisch wandte sich Sarkozy am Anfang seiner Rede deshalb an die Präsidentengattin Bernadette und sagte überaus emotional: „Ich brauche Sie, Madame Chirac.“

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