Politik : Sarkozy lockt Streikende mit Gesprächsangebot

Hans-Hagen Bremer

Paris - Trotz der sich abzeichnenden Verhandlungen über die Reform der Sonderrentenkassen stimmten die Beschäftigten der französischen Eisenbahn und der Pariser Verkehrsbetriebe gestern für die Fortsetzung ihres Streiks um weitere 24 Stunden. Arbeitsminister Xavier Bertrand hatte am Vortag einen Brief an die an dem Streik beteiligten Gewerkschaften gerichtet, in dem er die „Methode“ der in Aussicht genommenen Verhandlungen erläuterte. Darin räumte er den Gewerkschaften vier Wochen Zeit ein, um unter Beteiligung des Staates für jede einzelne der betroffenen Rentenkassen mit den jeweiligen Unternehmen Nachbesserungen zur Vermeidung von Härtefällen auszuhandeln.

Nach dieser Frist würde die Regierung dann die Reform in Kraft setzen, mit der die Beschäftigten bei Bahn, Verkehrsbetrieben und anderen öffentlichen Unternehmen wie alle übrigen Arbeitnehmer künftig erst nach 40 Beitragsjahren eine volle Rente beziehen können. Mit einer Ausnahme wurde das Verhandlungsangebot von den Gewerkschaften positiv aufgenommen. Francois Chérèque, der Generalsekretär der zweitgrößten französischen Gewerkschaft CFDT, sprach sich in einem Interview für eine „Aussetzung“ des Arbeitskampfes aus. An der Basis war das Echo jedoch weniger günstig. In den Vollversammlungen der Streikenden, in denen am Donnerstag über die Verlängerung des Arbeitskampfes debattiert wurde, wurde der Brief des Arbeitsministers überwiegend als „unzureichend“ abgelehnt. „Wir wollen erst wissen, was auf den Verhandlungstisch kommt“, hieß es. Große Unzufriedenheit herrscht vor allem an der Basis der CGT, deren Generalsekretär Bernard Thibault noch vor Beginn des Streiks die Initiative zu neuen Gesprächen mit der Regierung ergriffen hatte. Frankreich steht damit am heutigen Freitag noch einmal ein Verkehrschaos bevor. Die Streikbeteiligung war am Donnerstag allerdings bei der Eisenbahn gegenüber dem ersten Streiktag am Mittwoch von 64 Prozent auf 46 Prozent zurückgegangen. Hans-Hagen Bremer

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