Politik : Sarkozy will seinen Stil nicht aufgeben

Frankreichs Präsident lässt sich vom Erfolg der Opposition bei Kommunalwahl nicht beirren

Albrecht Meier

Berlin - François Lebel ist Bürgermeister im achten Pariser Bezirk. Er gehört der Regierungspartei UMP an, und er war ziemlich unbekannt, bis er Anfang Februar Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und die Sängerin Carla Bruni im Élysée-Palast traute. Lebel wird möglicherweise auch weiter Bürgermeister in seinem Bezirk bleiben, jedenfalls schnitt er am Sonntag bei der Kommunalwahl besser ab als seine Mitbewerber. Nun muss die Stichwahl am kommenden Sonntag entscheiden. Dann wird sich auch zeigen, wie diese Wahlen zu deuten sind: Als echter Denkzettel für Sarkozy – oder doch nur als eine kleine Ermahnung.

François Lebel steht für viele seiner Landsleute, wenn er sagt: „Die Franzosen wollen nicht, dass der Präsident bei der Ausübung seines Amtes die fast königliche Würde aus den Augen verliert, die unsere Kultur seit Jahrhunderten beeinflusst.“

Trotz der Vorsicht der eigenen Parteianhänger, die aus solchen Worten spricht, wird deutlich: Die Landsleute des Präsidenten, auch die aus seinem eigenen Lager, haben Probleme mit dem neuen, direkten Stil des Präsidenten. Hier liegt auch eine Ursache für das schlechte Abschneiden der UMP bei der ersten Runde der Kommunalwahl, wenn auch nicht die einzige.

Sarkozy möchte trotzdem an seinem Stil nichts Grundlegendes ändern. Er will – anders als seine Vorgänger – ein Präsident „auf Augenhöhe“ bleiben. Dabei nimmt er in Kauf, dass die Volksnähe im schlimmsten Fall in Wortgefechten endet wie im vergangenen Monat auf der Pariser Landwirtschaftsmesse. Dort hatte er einen Besucher mit den Worten „Dann hau doch ab, du Depp“ attackiert, nachdem dieser ihn beschimpft hatte. Der rüde Ausfall des Präsidenten schockierte viele Franzosen. Sie werfen ihm auch vor, sein Liebesleben mit Carla Bruni übermäßig zur Schau gestellt zu haben. Nach dem Luxusurlaub mit dem ehemaligen Topmodel in Ägypten Ende des vergangenen Jahres scheint Sarkozy die Lehre aus dem öffentlichen Verdruss gezogen zu haben. Inzwischen zeigen sich Sarkozy und seine „première dame“ etwas seltener gemeinsam im Scheinwerferlicht. Als Sarkozy am Sonntag seine Stimme im achten Pariser Bezirk abgab, begleitete ihn seine Ehefrau nicht.

Festhalten will Sarkozy hingegen an seinem innenpolitischen Reformkurs. Ihm kommt dabei zugute, dass die Opposition bei der ersten Runde nicht den erhofften haushohen Sieg einfahren konnte. Nach Angaben des Pariser Innenministeriums kam das bürgerliche Regierungslager nur auf 44,5 Prozent der Stimmen, während die linken Listen nach dem ersten Wahlgang mit 49 Prozent in Führung lagen. Die Städte Paris und Lyon dürften weiterhin von den Sozialisten regiert werden, und auch in Straßburg zeichnet sich für die Stichwahl eine Niederlage der UMP-Partei ab. In anderen Städten wie in Marseille und Toulouse blieben die Sozialisten aber hinter ihren Erwartungen zurück.

Vor dem zweiten Wahlgang richten sich nun alle Augen auf die Zentrumspartei Modem. Von den Wahlempfehlungen der kleinen Partei wird abhängen, ob das Pendel am kommenden Sonntag weiter nach links ausschlägt oder nicht. Parteichef François Bayrou weigerte sich nach dem ersten Wahlgang, eine allgemeine Empfehlung für die Sozialisten oder die Regierungspartei UMP abzugeben. Dies müsse in jeder Stadt entschieden werden, sagte er.

Unterdessen feierte der politische Newcomer Jean Sarkozy, der 21-jährige Sohn des Präsidenten, bei den Kantonalwahlen im Pariser Vorort Neuilly einen Erfolg für die UMP. Er schaffte in der Hochburg der Konservativen am Sonntag den Sprung in den Rat des Départements Hauts-de-Seine.

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