Politik : Sarkozy zu Blitzbesuch in Afghanistan

Rudolf Balmer

Paris - Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat den französischen Soldaten, die im Rahmen der Nato in Afghanistan im Einsatz sind, einen Blitzbesuch abgestattet. Von einem Truppenabzug, den er als Präsidentschaftskandidat noch erwogen hat, ist keine Rede mehr.

Eskortiert von zwei französischen Mirage-Kampfflugzeugen landete Sarkozy am Samstagvormittag auf dem Flugplatz von Kabul. Dort wurde er von seinem Amtskollegen Hamid Karsai zu einem Höflichkeitsbesuch empfangen, bei dem über den Wiederaufbau Afghanistans und den Kampf gegen die Taliban gesprochen wurde, an dem mehr als tausend französische Soldaten im Rahmen der Nato oder rund 150 Militärberater der Regierungsarmee sowie eine Staffel von bisher sechs Kampfjets in Kandahar direkt beteiligt sind. Frankreich gehört damit zu den wichtigsten Kräften der westlichen Koalition.

Und das soll so bleiben. Einen baldigen Abbau der Truppenpräsenz oder einen Rückzug der französische Einheiten und Flugzeuge, wie er dies während seiner Wahlkampagne noch propagierte, zieht Sarkozy nicht mehr in Erwägung.

Die Vorbereitungen für diesen Blitzbesuch im Stil der kurzen Abstecher von US-Präsident George W. Bush bei seinen „Boys“ im Irak waren schon Mitte der Woche in Paris bekannt geworden. Der französische Staatschef wollte mit diesem Abstecher an die „Front“ im Kampf gegen den Terrorismus der wachsenden Kritik an seiner Außenpolitik begegnen. Diese war namentlich seit der Polemik rund um seine „herzlichen Glückwünsche“ für Wladimir Putins Wahlsieg und vor allem den Besuch des libyschen Staatsführers Gaddafi unter Beschuss geraten.

Den mit ihm befreundeten Philosophen André Glucksmann, der in dieser Woche öffentlich seine Russlandpolitik kritisiert hatte, nahm Sarkozy versöhnlich als Gast auf die Afghanistanreise mit. Rudolf Balmer

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