Politik : Sarrazin rechnet mit Bundeskanzlerin Merkel ab

Berlin - Thilo Sarrazin, ehemaliger Bundesbankvorstand, früherer Berliner Finanzsenator und Autor des umstrittenen Sachbuchs „Deutschland schafft sich ab“, hat schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhoben. In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine“ schreibt Sarrazin, Merkel habe sein Buch auf den „Index“ gesetzt, „so wie es früher die Heilige Inquisition tat“. An die Stelle des Scheiterhaufens sei nach Merkels Planung „die Verbannung aus der Bundesbank“ getreten, so Sarrazin. Bundespräsident Christian Wulff sei der Kanzlerin „eilfertig“ hinterhergestolpert und habe Hilfe bei der Entlassung aus dem Vorstand der Bank angeboten, ohne vorher rechtlichen Rat seiner Beamten einzuholen. „Mit ein bisschen Michael Kohlhaas im Blut hätte ich eine Staatskrise herbeiführen können“, schreibt Sarrazin.

Neben Politikern wie Merkel, Wulff und SPD-Chef Sigmar Gabriel macht Sarrazin auch die Medien für eine „beispiellose“ Kampagne gegen seine Person verantwortlich. Von einem Teil der Medien sowie der „politischen Klasse“ sei sein Buch „feindlich“ aufgenommen worden, obwohl etliche Kritiker es gar nicht gelesen hätten. Für sie empfinde er mittlerweile tiefe Verachtung.

„Spiegel“ und „Bild“ hatten im Spätsommer Auszüge aus dem Buch mit zumindest provokanten Thesen zur Integration von Muslimen in Deutschland veröffentlicht. Darin warnte das SPD-Mitglied Sarrazin unter anderem, die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten stelle „eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar“. Merkel erklärte daraufhin, das Buch sei „nicht hilfreich“ und sie werde es auch nicht lesen. SPD-Chef Gabriel sprach von „moralischer Entgleisung“ und brachte ein Parteiordnungsverfahren auf den Weg. Mit einer Entscheidung über den in der SPD umstrittenen Ausschluss Sarrazins wird Parteikreisen zufolge erst nach der Berlin-Wahl im September 2011 gerechnet. has

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