Politik : Sat-1-Korrespondent bleibt verschwunden

BERLIN/BELGRAD (ben/pc).Der Fernsehsender SAT-1 vermißt weiterhin den seit Freitag verschollenen, zuletzt in Belgrad tätigen Südosteuropakorrespondenten Pit Schnitzler.Unternehmensprecherin Kristina Faßler sagte dem Tagesspiegel, Schnitzler habe Belgrad am Freitag gegen 13 Uhr verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren.Etwa eine Stunde später habe sich Schnitzler, der seit Kriegsbeginn in Belgrad tätig ist, von der jugoslawisch-kroatischen Grenze melden sollen, doch jede Nachricht von ihm blieb aus.

"Zwischen 13 und 14 Uhr muß ihm etwas Unerwartetes zugestoßen sein.Seit einem Telefonat kurz vor seiner Abfahrt haben wir nichts von ihm gehört.Wir wissen nicht, wo er sich befindet und wie es ihm geht.Es ist extrem beunruhigend", berichtet Faßler weiter.Der Sender habe zwei Kollegen in die Region geschickt, um dort Näheres über Schnitzler in Erfahrung zu bringen."Die Leute dürfen jedoch nicht einreisen und können nichts ausrichten", betont die Sprecherin.

SAT-1 wollte Schnitzler aus Belgrad abziehen, weil seine technische Ausrüstung beschlagnahmt worden war.Am 8.April sei der Korrespondent mit den Worten "Sie sind Deutscher.Sie haben kein Recht, zu berichten" von der serbischen Militärpolizei unter Gewaltandrohung zur Herausgabe seiner Ausrüstung gezwungen worden, berichtet Faßler."Seit diesem Tag hat er telefonisch für uns aus Belgrad berichtet.Die Bedingungen müssen sehr schwierig gewesen sein, und er konnte wohl nur durch die Unterstützung von Kollegen weiter für uns arbeiten", sagt die Sprecherin des Senders.

Sie vermutet, daß Schnitzler vielleicht wegen seiner fehlenden Kameraausrüstung festgehalten werden könnte.Wenn ein Journalist nach Serbien einreise, werde in seinen offiziellen Papieren genau vermerkt, welche Geräte er mit sich führe, erklärt Kristina Faßler.Bei der Ausreise werde die Ausrüstung in allen Einzelheiten kontrolliert, damit sichergestellt sei, daß man nichts in Jugoslawien zurückgelassen habe, was in falsche Hände geraten könnte: "Pit Schnitzler hat zwar eine Quittung über seine Kamera erhalten, aber es könnte sein, daß diese an der Grenze nicht ausgereicht hat."

Das Auswärtige Amt äußerte sich unterdessen sehr besorgt über das Verschwinden Schnitzlers.Man habe die japanische Botschaft in Belgrad, die zur Zeit die Interessen Deutschlands in Jugoslawien vertritt, gebeten, eine Anfrage zum Verbleib des Reporters an das jugoslawische Außenministerium zu richten, sagte ein Sprecher.Von dort gebe es allerdings noch keine offizielle Stellungnahme.Bei Entführungsfällen im Ausland halte sich das Auswärtige Amt mit Informationen über die Bemühungen zurück, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.In dieser Situation komme erschwerend hinzu, so heißt es aus dem Auswärtigen Amt, daß die Möglichkeiten Deutschlands, Druck auf Belgrad auszuüben, gering seien.

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