Politik : Saubere Einheit

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Der 3. Oktober rückt näher. Sollen wir festlich gestimmt sein? Sollen wir nach Feierlichem Ausschau halten? Da war doch gerade der tansanische Präsident in Berlin, und erstmals überhaupt musste Johannes Rau seine Teilnahme am Staatsbankett für einen Gast absagen. Er war krank. Wer vertritt den Bundespräsidenten? Richtig: Der Bundesratspräsident, Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident in Magdeburg. Der, der dieses Jahr auch die zentrale Feier zum Einheitstag ausrichtet. Böhmer durfte sogar Raus Redetext benutzen. Wie die Nachrichtenagentur dpa weiß, kennen sich die beiden seit langem. Als Böhmer noch Chefarzt in der DDR war, brachte ihm Rau öfters Medikamente aus dem Westen mit. Damals hätte er bestimmt nicht gedacht, dass er einmal eine Einheitsfeier ausrichten wird. Kurz nachdem er den Bundespräsidenten vertreten hat.

Gibt es sonst noch Erhebendes zum Feiertag? Vielleicht sollte man zum Nationaltag eine Ehrenrettung traditioneller deutscher Tugenden vorschlagen. Es heißt ja immer, „made in Germany“ sei nichts Besonderes mehr. Mag sein – aber es gibt schon auch noch jene, die auf deutsche Tugenden schwören. Barbara Bush beispielsweise, die Mutter des US-Präsidenten, flog einmal mit dem Hubschrauber über Deutschland und war erstaunt. „Ich konnte gar nicht begreifen, wie sauber dieses Land war. Es gab nicht ein einziges Schrottauto und keinen einzigen alten Mähdrescher, die irgendwo herumstanden und vor sich hinrosteten. Wo bringen die ihren Müll hin?" Dies schrieb sie in ihr Tagebuch. Tja. Deutschland gibt der Welt noch immer Rätsel auf. Vor allem, wenn es rein ist. Deutschland, sauber Vaterland. Fröhliche Einheit!

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