Politik : Saudi-Arabien: Irritationen der USA über den Musterverbündeten

Andrea Nüsse

Der saudiarabische Innenminister Prinz Najew schließt eine Verbindung zwischen dem Sprengstoffanschlag in der Stadt Chobar und den Terroranschlägen in den USA nicht aus. Er sagte der Tageszeitung "Okas", zahlreiche Augenzeugen würden noch über den Anschlag vom Samstagabend befragt. Er könne nicht bestätigten oder ausschließen, dass der Anschlag mit den Angriffen in den USA oder zahlreichen Bombenattentaten gegen Ausländer in den vergangenen Monaten zu tun habe. Der Sprengsatz war am Samstag vor einem Uhrengeschäft in einem bei Ausländern beliebten Einkaufsviertel detoniert. Zwei Menschen wurden getötet, fünf weitere verletzt. Bei einem Todesopfer handelt es sich um einen US-Bürger, bei dem anderen ebenfalls um einen Ausländer. Die US-Botschaft in Saudi-Arabien war am Montag für eine Sicherheitsüberprüfung geschlossen worden.

In der Gegend von Chobar leben etwa 11 000 amerikanische Zivilisten. 1996 waren dort bei einem Anschlag gegen die US-Streitkräfte 19 Soldaten getötet worden. Die USA machen die in Saudi-Arabien tätige Untergrundorganisation Hisbollah für die Tat verantwortlich.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Das hat die Irritationen zwischen Washington und Riad erneut angefacht. Zwar ist das wahabitische Königreich der engste Alliierte der Amerikaner in der Region. Doch die Ereignisse des 11. September haben die langsame Entfremdung zwischen beiden Ländern vorangetrieben. Denn die Tatsache, dass unter den 19 mutmaßlichen Flugzeugattentäters eine Reihe saudischer Staatsbürger waren, hat die Amerikaner schockiert. Die hastige Evakuierung zahlreicher Verwandter Osama bin Ladens durch die saudische Botschaft in Washington hat weiteres Mißtrauen gesät. Denn das FBI hätte gern das eine oder andere Mitglied der Familie verhört. Doch die Verbindungen zwischen Königshaus und Osama bin Laden gingen noch weiter: Nur 14 Tage vor den Anschlägen wurde überraschend der Chef des saudischen Geheimdienstes, Prinz Turki, abgesetzt. Er sollte eigentlich Osama bin Laden ausfindig machen - stattdessen hat er scheinbar nichts unternommen, um den Gesuchten von seinen finanziellen Quellen in Saudi-Arabien abzuschneiden.

Außerdem gestattete er der Mutter das Al-Qaida-Chefs, zur Hochzeit ihres Enkels nach Afghanistan zu fahren, ohne den Kronprinzen darüber zu informieren. Auch mußten die USA feststellen, dass Osama bin Ladens Kritik am korrupten saudischen Königshaus und an der massiven Präsenz amerikanischer Soldaten in dem Land bei der Bevölkerung breiten Anklang finden.

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