Saudi-Arabien : König Abdullah ist tot

Saudi-Arabiens Monarch Abdullah ist in der Nacht zu Freitag im Alter von über 90 Jahren gestorben. Seine Nachfolge hat bereits sein Halbbruder, Kronprinz Salman, angetreten. Das Königreich steht momentan wegen der öffentlichen Prügelstrafe gegen Blogger Raif Badawi heftig in der Kritik.

Saudi-Arabiens König Abdullah, hier auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2012, ist in der Nacht zu Freitag gestorben.
Saudi-Arabiens König Abdullah, hier auf einem Archivfoto aus dem Jahr 2012, ist in der Nacht zu Freitag gestorben.Foto: AFP

König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, berichtete das nationale Fernsehen am frühen Freitagmorgen. Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Seine Nachfolge hat nach offiziellen Angaben bereits sein Halbbruder, Kronprinz Salman (79), angetreten. Nach einer Mitteilung des Hofes soll Abdullah noch am Freitag nach dem Mittagsgebet in der Turk-bin-Abdullah-Moschee in Riad beigesetzt werden.

US-Präsident Barack Obama würdigte den Monarchen als aufrichtigen und mutigen Führer. „Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis“, teilte Obama am Donnerstag (Ortszeit) in Washington mit. Er habe an die Wichtigkeit der US-saudischen Beziehungen als Kraft für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus geglaubt.

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Abdullah als Mann, „dessen Arbeit die Geschichte seines Landes zutiefst geprägt“ habe. In einer vom Elysee verbreiteten Erklärung lobte Hollande zudem Abdullahs „Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten“.

Ein Ansatz von Modernisierung

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi reiste noch am Freitagmorgen vorzeitig vom Weltwirtschaftsforum in Davos ab, um an den Trauerfeierlichkeiten in Riad teilzunehmen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ordnete eine dreitägige Trauer für den verstorbenen saudischen Monarchen an, in Jordanien wurden 40 Tage für die Trauer um Abdullah angesetzt.
Abdullah bin Abdul Asis Al-Saud gehörte zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs. Seine Popularität dürfte dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings 2011 in Saudi-Arabien nur wenige Protestaktionen gab.

Rückblick auf Staatsbesuche in Saudi-Arabien
und sein Nachfolger Barack Obama.Weitere Bilder anzeigen
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23.01.2015 11:21und sein Nachfolger Barack Obama.

Das genaue Alter von Abdullah ist nicht bekannt. Er ist nach unterschiedlichen Angaben im August 1923 oder 1924 zur Welt gekommen. Erst mit über 80 Jahren hatte er 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestiegen. In dem streng religiösen Königreich unternahm Abdullah in seinen letzten Lebensjahren Modernisierungsschritte. So gründete er gegen den Willen einflussreicher Islam- Gelehrter 2009 die König-Abdullah-Universität, in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura- Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz).

Empörung nach Auspeitschen von Raif Badawi

Politischen Gegnern gegenüber blieb er aber unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen; Frauen, die sich dem Fahrverbot widersetzten, wurden empfindliche Strafen angedroht. Aktuell sorgt die öffentliche Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Internetaktivist war zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt und den Säkularismus gerühmt haben soll.

In der Region mischte sich Saudi-Arabien ebenfalls in den Kampf gegen missliebige Gruppen ein. So unterstützte Riad 2013 in Ägypten den Sturz des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär. In Bahrain beteiligten sich saudische Panzer aktiv an der Niederschlagung der von Schiiten angeführten Massenproteste gegen das sunnitische Herrscherhaus. In Syrien förderte das Königshaus die Opposition im Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad. (dpa)

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