Saudi-Arabien : Macht und Glaube

Prowestlich nach außen und islamistisch nach innen – ein Stück über die Widersprüche in der saudi-arabischen Politik.

Guido Steinberg
Saudi-Arabien zwischen Tradition und Moderne. Stolzer Vater mit Kindern und verschleierten Frauen auf der Aussichtsplattform des Kingdom Towers in der saudischen Hauptstadt Riad. Welcher Zukunft sehen die Kinder entgegen?
Saudi-Arabien zwischen Tradition und Moderne. Stolzer Vater mit Kindern und verschleierten Frauen auf der Aussichtsplattform des...Foto: Katharina Eglau

Es gibt kaum einen Staat, über den die Meinungen in Deutschland so weit auseinandergehen wie Saudi-Arabien. Dies zeigte sich zuletzt in der Debatte über die Situation im Irak und Syrien. Einige Kommentatoren sehen in dem Königreich einen wichtigen Unterstützer des Islamischen Staates im Irak und Syrien (ISIS), zu dem Deutschland auf Konfrontationskurs gehen müsse. Andere betonten hingegen, dass Saudi-Arabien zu den entschiedensten Gegnern der Terrororganisation gehöre und als wichtiger Partner auch mit Waffenlieferungen unterstützt werden müsse.
Diese Debatte spiegelt die häufig geradezu grotesken Widersprüche der saudi-arabischen Politik und Gesellschaft wider. Der zentralste dieser Widersprüche ist der zwischen einer prowestlichen Außenpolitik, die Saudi-Arabien über Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten und verlässlichsten Partner der USA und des Westens im Nahen Osten gemacht hat, und einer ausnehmend islamistischen Innenpolitik, die auf dem althergebrachten Bündnis zwischen der Herrscherfamilie und den Religionsgelehrten der „Wahhabiya“ beruht. Die Vertreter dieser Reformbewegung versuchen mit ungebrochener Energie, das soziale und kulturelle Leben im Königreich ihrer Vision eines goldenen islamischen Zeitalters im 7. Jahrhundert anzugleichen und tragen ihre Reformlehre mit staatlicher Unterstützung in die Welt. Mit dem Ergebnis, dass wahhabitisch-salafistische Bewegungen überall Aufwind verspüren.

Die enge Westbindung Saudi-Arabiens besteht seit dem Ersten Weltkrieg und wurde im Verlauf der nächsten hundert Jahre zu einer Konstante der Weltpolitik. Seit den 1940er Jahren lösten die USA Großbritannien als wichtigsten Partner des Wüstenkönigreichs ab. Während die Supermacht Saudi-Arabien vor der Sowjetunion und anderen Gegnern zu schützen versprach, lieferte das Königreich ab 1945 Öl in immer größeren Mengen.

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