Politik : Saudi-Arabien: Sponsor der Terroristen

Martin Gehlen

Osama bin Laden stammt aus Saudi-Arabien, dem Heiligen Land der Muslime. Seine Regierung hat den Top-Terroristen vor Jahren des Landes verwiesen und distanziert sich demonstrativ von ihm. Doch der Eindruck täuscht, wie Orient-Experten auf einem Forum der Grünen-Bundestagsfraktion zum Thema "Radikal-Islamistische Gruppen. Herausforderungen für die internationale Politik" betonten. Denn die Unterstützung der Saudis für Terroristen ist allen offiziellen Bekundungen zum Trotz "äußerst breit gefächert", erläuterte Dietrich Reetz vom Zentrum Moderner Orient. Besonders verhängnisvoll sei Mitte der neunziger Jahre der Schulterschluss gewesen zwischen dem saudischen Königreich, den Taliban und dem Milieu islamistischer Religionsschulen in Pakistan. Diese Allianz sollte ein Gegengewicht bilden zu dem Bündnis des schiitischen Iran mit der afghanischen Nordallianz.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Zwar hat Riad vergangene Woche ebenso wie die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Kabul abgebrochen, doch dies ist nach Einschätzung von Reetz nur ein symbolischer Schritt. "Die Verbindungen bleiben bestehen oder lassen sich jederzeit leicht reaktivieren", sagte er. Bislang hätten die USA über das dunkle Treiben Saudi-Arabiens als international operierender Großsponsor von Terrorismus hinweggesehen. Daran werde sich wahrscheinlich auch nichts ändern, denn die USA seien erpressbar und entsprechend vorsichtig. Schließlich ist das Königreich im Herzen der arabischen Welt - durch Mekka und Medina die Wiege des Islam - reich an Öl und ein hervorragender Kunde bei Waffenkäufen. Außerdem besitzt Saudi-Arabien für die westliche Supermacht hohe strategische Bedeutung in der Golfregion.

"Das Geld für islamistische Gruppen in aller Welt kommt vor allem vom Golf, von den Regierungen ebenso wie von den dortigen Zivilgesellschaften", unterstrich Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Diese Gruppen und ihre Förderer seien keine Bewegungen der Entrechteten. Sie entstammten meist aus dem Mittelstand, auch wenn sie zunehmend versuchten, Gefolgsleute aus Flüchtlingslagern, ländlichen Regionen oder Großstadt-Slums zu rekrutieren.

Die radikalen Drahtzieher dagegen sind wohlhabend, gut ausgebildet und wissen die technischen Errungenschaften der Moderne für ihre Ziele zu nutzen. Das belegt aus Sicht der Fachleute auch die hohe Affinität zwischen radikal-islamischen Kreisen und technischen Hochschulen. Dort eignen sich die Studenten modernes westliches Fachwissen an, während sie gleichzeitig weiter in ihren doktrinären islamistischen Zirkeln leben - "extrem isoliert und total sprachlos" gegenüber der sozialen Umgebung.

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