Politik : Saudisches Geld für Rebellen im Irak?

Das US-Verteidigungsministerium verdächtigt seinen Verbündeten, den Widerstand zu unterstützen

Frank Jansen

Washington/Berlin - Die USA und ihre Alliierten sowie die irakischen Sicherheitskräfte bekommen den Terror im Land nicht in den Griff. Für das US-Verteidigungsministerium gibt es einen wichtigen Grund für den anhaltenden Widerstand: Die Terroristen verfügen über nahezu unbegrenzte Finanzmittel. Wie die Agentur AP berichtet, sagte dies ein hochrangiger Beamter des Pentagon. Der Experte, der anonym bleiben wollte, sagte auch, wo nach Erkenntnissen der US-Regierung die Geldquellen sprudeln: in Saudi-Arabien. Damit betritt der Beamte heikles Terrain. Die US-Regierung bezeichnete das Königreich als treuen Verbündeten im Kampf gegen den Terror – obwohl Experten in Amerika wie in Europa seit langem Saudi-Arabien als zentrales Problem ausgemacht haben.

Der Beamte kritisierte, Saudi-Arabien ignoriere die Probleme. Aus dem Königreich würden über Syrien nicht nur Gelder in den Irak geschleust, sondern auch viele Kämpfer. „Diffuse Netzwerke“ auf der Basis von Wohltätigkeitsorganisationen sowie Stammes- und Geschäftskontakten wickelten die Finanztransfers ab. Ein ähnliches System nutze Al Qaida.

Die „New York Times“ berichtete am Freitag unter Berufung auf US-Regierungskreise in Washington, an der Spitze des Netzwerks zur Finanzierung des Terrors im Irak stünden Verwandte von Ex-Diktator Saddam Hussein und ehemals führende Mitglieder der aufgelösten Staatspartei Baath.

Deutsche Sicherheitskreise verdächtigen vor allem die saudische Al-Haramein-Stiftung, dass sie in vielen Ländern Extremisten finanziell unterstützt habe – auch in Deutschland. Die Stiftung soll mit 900 000 Euro dem islamistischen Trägerverein der Berliner Al-Nur-Moschee beim Kauf eines großen Neubaus im Bezirk Neukölln geholfen haben. In dem Komplex durfte, sagt Generalbundesanwalt Kay Nehm, der Tunesier Ihsan G. Anfang 2003 Islamisten für den „heiligen Krieg“ trainieren – im Auftrag von Al Qaida. Ihsan G. habe zum Beginn des Irakkrieges Anschläge auf US-Einrichtungen geplant. Der Tunesier wurde am 20. März 2003, dem ersten Tag des Krieges im Irak, in Berlin festgenommen. Derzeit steht G. in Berlin vor Gericht. In den Fall war offenbar auch ein Diplomat der saudischen Botschaft in Berlin verwickelt. Der Attaché Mohammed J. Fakihi musste im März 2003 wegen seiner Kontakte zu der Gruppe um G. Deutschland verlassen.

Die saudische Regierung schloss die Al-Haramein-Stiftung Anfang Oktober. In deutschen Sicherheitskreisen heißt es, „die machen trotzdem weiter“. In welchem Maße Al Haramein den irakischen Widerstand unterstützt hat, ist unklar.

Dass die Terroristen im Irak finanziell gut ausgestattet sind, ist nur eine der Erkenntnisse, die in den USA zu hören sind. Laut „New York Times“ ist auch die Zahl der Rebellen weit höher, als von Geheimdiensten angenommen. Statt 7000 Kämpfern und Sympathisanten seien es vermutlich 20 000. Den Kern bildeten 50 militante Zellen.

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